Ferienende …

25. August 2010

Nun neigt sich mit den Ferien auch das Schuljahr dem Ende entgegen. Seit längerer Zeit habe ich hier nichts mehr geschrieben, und dafür bitte ich die Leser um Entschuldigung. In den Kommentaren zum letzten Beitrag hatte es ja schon Nachfragen gegeben.

Die lange Pause hatte ihren Grund. Anfangs waren es gesundheitliche Umstände, die mich an den Wochenenden vom Schreiben abhielten. (Die meisten Beiträge, die während der Woche auf der Rückfahrt von der Schule im Zug geschrieben wurden, habe ich dann am Wochenende bei WordPress eingegeben und sie im Laufe der Woche veröffentlichen lassen. Ein paar Wochen jedoch brauchte ich diese Wochenenden, um mich im Bett zu erholen.) Als es mir dann wieder besser ging, war mir die Zeit trotzdem zu knapp. Abgesehen davon, daß einiges an Arbeit nachzuholen war, zeigte sich immer deutlicher, daß die täglich zur Arbeit zu pendelnde Strecke einfach zu groß ist. Da im Zug kein richtiges Arbeiten möglich ist, saß ich zuhause bis tief in die Nacht an meinen Schularbeiten und nutzte die langen Zugfahrten für ein Nickerchen. So blieben viele berichtenswerte Erlebnisse leider ungeschrieben.

Aber die Zeitnot war nicht der einzige Grund für ausbleibende Beiträge.
Eine mich auch persönlich kennende Leserin dieses Blogs merkte ‘mal an, daß ich sehr enthusiastisch angefangen habe, meine Texte zuletzt aber zunehmende Frustation durchschimmern ließen. Das war mir zwar bis dahin nicht aufgefallen, aber es war gar nicht so verkehrt. Ich muß zugeben, daß ich in dieser Zeit auch einfach keine Beiträge mehr schreiben mochte. Die Arbeit mit den Schülern war zunehmend durch einige ihrer Verhaltensweisen getrübt. Das waren vor allem Probleme mit der Disziplin im Unterricht: Im Laufe des zweiten Halbjahres machte sich meine fehlende Ausbildung als Lehrer doch zunehmend im Klassenverhalten bemerkbar. Aber auch einige persönliche Verhaltensweisen mancher Schüler fand ich bei aller ihnen entgegengebrachten Sympathie einfach mies. Es war eine Zeit, in der ich angesichts knapper Zeit mich in meiner wenigen freien Zeit nicht auch noch wieder damit beschäftigen wollte, was mich im Beruf geärgert hatte. Einige Blogger nutzen das Schreiben darüber auch als Ventil; ich halte den Ärger lieber aus meiner Freizeit heraus.
Diese Phase hat sich dann gegen Ende des Schuljahres glücklicherweise wieder verbessert. Es entstanden dann auch einige Beiträge, die ich gerne noch veröffentlicht hätte; wozu dann aber wieder die Zeit nicht reichte.

Noch ein weiteres Problem wurde mir deutlich: Die Wiedererkennbarkeit. Vor einigen Monaten gab es ein Scharmützel zwischen zwei juristischen Blogs. Das eine wurde von einem bekannten Rechtsanwalt betrieben, das andere von einem unerkannt bleiben wollenden Richter, der unter Pseudonym bloggte und dabei manch interessanten Einblick vermittelte. Der Richter konnte den Anwalt nicht leiden, und er kritisierte ihn oft in seinen Beiträgen; nicht immer auf eine faire Art und Weise. Der Rechtsanwalt ließ zunächst keine öffentliche Reaktion darauf erkennen; aber als es der Richter zu doll trieb, führte der Anwalt einen kurzen aber tödlichen Stich: Durch einen geschickten Schachzug fand er die wahre Identität des Richters heraus und veröffentlichte sie in seinem Blog. Das Blog des Richters ging innerhalb von Stunden offline und blieb dies für immer. All seine Fallschilderungen und Gedanken zur Entscheidungsfindung waren auf einmal ihm und seinen Verhandlungen zuzuordnen; und so etwas konnte und durfte nicht stehen bleiben.
Als Lehrer sehe ich mich in einem ähnlichen Dilemma. Es gibt da unter den bloggenden Kollegen ja auch zwei Richtungen. Herr Rau beispielsweise bloggt unter seiner wahren Identität, wofür ich ihm meine Hochachtung entgegenbringe. Seine Beiträge haben dafür dann auch eine bestimmte Charakteristik. Ganz anders dagegen Frau Freitag. Worüber und wie sie schreibt wären undenkbar, wenn Schule und Lehrerin identifizierbar wären. Ich lese beide Blogs gerne, und beide Stile und beide Vorgehensweisen (identifizierbar und anonym/pseudonym) haben ihre Berechtigung.
Ich wollte ja aus Sicht eines Biologen, also eines eigentlichen Nichtlehrers, über Schule, Schüler und Lehrer berichten. In dieser bestimmten Form halte ich es gegenüber Kollegen, Schülern und Eltern nicht wirklich für angebracht, wenn sie wissen, daß ich so etwas schreibe. Es wäre für mich also gar nicht einmal solch ein Problem, wenn unbekannte ferne Leser wüßten, wie ich heiße, wo ich wohne und arbeite; ein Problem wäre es für mich dagegen, wenn mein direktes Arbeitsumfeld davon wüßte. Und da gab es dann doch so einige Beiträge, bei denen ich mir gedacht habe, daß sich da so mancher wiedererkennen könnte. Während der gesamten Zeit, in der ich dieses Blog betrieben habe, gab es immer wieder Erlebnisse, über die ich nur zu gerne gebloggt hätte, was ich dann aber wegen des hohen Wiedererkennungswertes nicht gemacht habe. Es ist nun auch einer der Hauptgründe dafür, daß ich dieses Projekt nicht fortführe. So, wie ich berichten möchte, kann ich es nicht ungezwungen.

Der letzte Grund für die Einstellung dieses Blogs hat eigentlich von Anfang an festgestanden: ich hatte vor, das eine Schuljahr, in dem ich vertretungsweise als Lehrer eingestellt war, über diese Erfahrung zu berichten. Mein Blog war von vornherein nur für dieses eine Jahr geplant. Bereits die letzten Monate habe ich bemerkt, daß sich meine Sichtweise etwas geändert hat. Ich bin zunehmend Teil des Systems Schule geworden. Und so wie Herr Heisenberg feststellte, daß man einen Zustand nicht messen kann, ohne ihn zu verändern, so behaupte ich nun, daß man nicht etwas beobachten kann, ohne Teil davon zu werden. Der Biologe wurde mehr und mehr zum Lehrer. Viele Erkenntnisse über das Lehrerdasein gewinnt man erst, wenn man darinsteckt und selber einer ist/wird. Der ursprüngliche Titel dieses Blogs hätte im Laufe der nächsten Zeitnicht mehr dem entsprochen, worüber berichtet wird.

So schließe ich nun diesen Blog. Ich hatte mir gewünscht, bis zum Beginn der Sommerferien noch regelmäßig Beiträge zu schreiben; der oben beschriebene Zeitmangel hat leider zu einem unvermittelten Abbruch geführt, was ich nun sehr bedaure.

Meinen (wenigen) Lesern vielen Dank für einige Diskussionsbeiträge!

Wie geht es nun mit mir weiter? Der Herr Biolehrer wird bald ein „richtiger“ solcher. Ich habe jetzt eine Festanstellung an der Schule erhalten und beginne mit dem neuen Schuljahr eine berufsbegleitende Zusatzausbildung. Das ist nötig und wird hoffentlich gut.

… als der Zeit­puffer, den man mor­gens zur Ver­fü­gung hat, dann kann es pas­sie­ren, daß man für das Zu­be­rei­ten der Pau­sen­bro­te et­was zu lan­ge braucht. Dann hilft es auch nicht, wenn man den Weg zum Bahn­hof lau­fend zu­rück­legt; dann kann es ei­nem pas­sie­ren, daß ei­nem der Zug vor der Na­se weg­fährt. Das ist nicht nur des­we­gen är­ger­lich, weil man dann eine hal­be Stun­de auf dem Bahn­hof he­rum­steht, son­dern auch, weil es dann sehr knapp wird, noch recht­zei­tig in der Schule ein­zu­tref­fen.

So etwas blödes ist mir also pas­siert. Ich empfand es als dop­pelt är­ger­lich, weil ich die 1. Stun­de in meiner Chaos-8 un­ter­rich­ten soll­te; und da ist ein Zu­spät­kom­men erst recht kon­tra­pro­duk­tiv. Ich ver­brach­te al­so eine un­ge­dul­di­ge hal­be Stun­de, und die Zug­fahrt selbst war auch nicht ent­span­nend.
   Dummerweise kam die Straßen­bahn dann auch noch et­was spä­ter, so daß es erst recht knapp wurde. Dann grüßte mich auch noch eine Kol­le­gin, die aus dem an­de­ren Straßen­bahn­wagen aus­ge­stie­gen war. Ich über­leg­te: Ganz un­höf­lich schnell zur Schu­le ha­sten und mich nicht um sie küm­mern? Ich habe we­nig mit ihr zu tun; aber als sie an­merk­te, daß die Straßen­bahn ja Ver­spä­tung hat­te, und sie es nun nicht mehr pünkt­lich in die Schu­le schaf­fen wür­de, paßte ich mich doch ihrem lang­sa­me­ren Tem­po an.

Genau drei Mi­nu­ten nach acht kam ich vor dem Bio­raum an, und sah ge­ra­de noch, wie die Bio-Kol­le­gin mit ein paar ver­spä­te­ten Schü­lern im Nach­bar­raum ver­schwand. Ich hat­te ei­nen laut lär­men­den und pö­beln­den Hau­fen Acht­kläß­ler er­war­tet; statt­des­sen em­pfin­gen mich Ru­he und Stil­le auf dem gäh­nend lee­ren Flur. Im Bio­raum selbst herr­schte auch Lee­re. Wo war mei­ne 8. Klas­se? Hat­te sich die Ban­de aus dem Staub ge­macht, als ich nicht pünkt­lich war?
   Ich ging erst­mal zum Ver­tre­tungs­plan und stu­dier­te ihn. Ha! Die 8. Klas­se war auf Ex­kur­sion, und ich soll­te statt­des­sen in ei­ner 7. Klas­se Ver­tre­tungs­un­ter­richt ma­chen. Ja super. Ich ken­ne die doch gar nicht. Wa­rum stand das nicht ge­stern schon auf dem Plan? Ich ging zum ent­spre­chen­den Fach und such­te nach Auf­ga­ben für den Ver­tre­tungs­un­ter­richt. Nichts zu finden. Tolle Nummer!

Als ich zehn nach acht in der 7. Klas­se an­kam, stand dort ein Leh­rer und un­ter­rich­te­te. „Willst Du über­neh­men?“ frag­te er mich. „Ich kann aber auch wei­ter­ma­chen; ist so­wie­so mei­ne Stun­de.“  Ich war et­was ver­wirrt. „Ich ken­ne die­se Klas­se gar nicht und weiß jetzt auch nicht, was ich mit de­nen ma­chen soll­te. Wenn Du al­so so­wie­so hier un­ter­rich­test …“  „Das geht schon in Ord­nung so,“ grin­ste er mich an. Ir­gend­wie be­kam ich das Ge­fühl, daß er sich über mich lu­stig mach­te.
   Ei­ni­ger­maßen durch­ein­an­der ging ich zum Herrn Ver­tre­tungs­plan­leh­rer. Der er­klär­te mir, daß der Kol­le­ge bis ge­stern noch krank ge­mel­det ge­we­sen und heu­te un­er­war­te­ter­wei­se doch er­schie­nen sei.

Da ich die 2. Stunde so­wie­so frei hat­te, saß ich dann bis nach der großen Pau­se im Leh­rer­zim­mer he­rum. Und da­für so ein Streß früh­mor­gens. Aber bes­ser so als an­ders­rum.

Dickes Lob (III) ?

13. April 2010

Am Ende meiner Dop­pel­stun­de in einer 9. Klas­se be­merkt ein Schü­ler zu mir:

Das war heute ein rich­tig in­ter­es­san­ter Bio­un­ter­richt. [Fra­gen­der Blick mei­ner­seits] Doch, ein wirk­lich span­nen­des The­ma.

Ich weiß im­mer noch nicht, wie ernst das ge­meint war. Das The­ma (Ver­er­bung von Blut­grup­pen) war in der Tat et­was, wo­nach schon im Vor­feld sehr oft ge­fragt wor­den war. An­de­rer­seits muß ich zu­ge­ben, daß ich das di­dak­tisch re­la­tiv mies auf­ge­zo­gen hat­te und kei­nes­wegs wirk­lich span­nend ge­stal­tet hat­te. Ge­ra­de in der 9. Klas­se ha­be ich sehr oft das Ge­fühl, le­dig­lich durch das The­ma punk­ten zu kön­nen; Men­schen­kun­de trifft in die­ser Klas­se auf ein bren­nen­des In­ter­es­se, und so lau­schen die Schü­ler nicht sel­ten ge­bannt mei­nem Fron­tal­un­ter­richt.
   Manchmal denke ich mir, daß ei­ni­ge Klas­sen (vor al­lem mei­ne 8. Klas­sen) auf Ko­sten an­de­rer Klas­sen le­ben. Um die un­ru­hi­ge Ban­de über­haupt ei­ni­ger­maßen für den Un­ter­richt zu ge­win­nen, reiße ich mir im Rah­men mei­ner be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten (meist er­folg­los und da­nach dem­ent­spre­chend fru­striert) ein Bein aus, so daß ich kaum noch Zeit für die un­kom­pli­zier­ten Klas­sen ha­be. Die­se be­kom­men dann ei­nen schlecht auf­be­rei­te­ten Un­ter­richt, und sind dann da­für noch dank­bar. Oder ver­ar… sie mich?

Zum Ferienbeginn

29. März 2010

Die Osterferien haben be­gon­nen. Zwei Wo­chen lang wer­de ich al­so nicht zur Schu­le ge­hen, und in die­ser Zeit gibt es auch kei­ne Ein­trä­ge hier im Blog.

Als Kontrast­programm in die­ser Zeit hier ein Link zu zwei läs­si­gen Al­ten. Die ha­ben’s drauf.

     Amazing Scotty Brothers

Zum Wochenende (XXI)

27. März 2010

Zu meinem ersten Beitrag zum Thema [Update: es er­schien be­reits ei­ne an­de­re Er­gän­zung] gibt es eine Er­gän­zung: Es gibt nun „von oben“ eine An­wei­sung, sich an das Da­ten­schutz­ge­setz des Bun­des­lan­des zu hal­ten. Die­ses schreibt vor, daß Leh­rer eine Ge­neh­mi­gung be­nö­ti­gen, wenn sie per­sön­li­che Da­ten von Schü­lern (und El­tern) elek­tro­nisch spei­chern und ver­ar­bei­ten wol­len. Die­se Ge­neh­mi­gung muß bei der Schul­lei­tung be­an­tragt wer­den, und für die Ge­neh­mi­gung muß man ein paar Auf­la­gen er­fül­len.

Zunächst einmal darf man als Nicht-Klas­sen­leh­rer kei­ne Te­le­fon- und Adreß­li­sten (von Schü­lern und El­tern) elek­tro­nisch an­le­gen und spei­chern. Schü­ler- und No­ten­li­sten (oh­ne Adres­se usw.) sind er­laubt. Der ei­ge­ne Rech­ner muß zu­min­dest paß­wort­ge­schützt sein; Ver­schlüs­se­lung der Da­ten wird em­pfoh­len. Falls Fa­mi­lien­mit­glie­der den Com­pu­ter nut­zen, müs­sen die Da­ten auf ei­nem be­son­de­ren be­ruf­li­chen Nut­zer­kon­to ge­spei­chert wer­den, auf das nur der Leh­rer Zu­griff hat. Wenn die Da­ten auf USB-Sticks o. ä. trans­por­tiert wer­den, müs­sen sie ver­schlüs­selt wer­den. Der Ge­neh­mi­gungs­an­trag fragt all die­se Um­stän­de ab; und die Schul­lei­tung ließ durch­blicken, daß sie die ge­mach­ten An­ga­ben nicht über­prü­fen kann und wird.

Ich sehe diese An­ge­le­gen­heit mit ge­misch­ten Ge­füh­len. Die Vor­ga­ben des Da­ten­schutz­ge­set­zes be­für­wor­te ich; ich hal­te sie so­gar für nicht aus­rei­chend; denn für den von mir als be­son­ders kri­tisch em­pfun­de­nen Be­reich gibt es keine Re­ge­lung: Der Ver­sand der Da­ten per E-Mail ist in der An­wei­sung nicht ein­mal er­wähnt! Noch im­mer ha­ben es die mei­sten Leu­te nicht ver­stan­den, daß eine un­ver­schlüs­sel­te E-Mail ei­ner Post­kar­te ent­spricht, die un­ter­wegs je­der le­sen kann. Wei­ter­hin gibt es kei­ne Re­ge­lun­gen hin­sicht­lich der Nut­zung ex­ter­ner Dien­ste, wie z. B. der Google-Dienste (an­ge­fan­gen bei Google-Mail bis hin zu ser­ver­sei­ti­gen Of­fice-An­wen­dun­gen und Spei­cher­plät­zen)!.
   Die Reaktionen ei­ni­ger Kol­le­gen auf die­se neue An­ord­nung spra­chen Bän­de. So wur­de z. B. ge­fragt, ob man den Rech­ner auch mit ei­nem Paß­wort schüt­zen müs­se, wenn man in sei­ner Woh­nung al­lei­ne le­be. (Ich he­ge den star­ken Ver­dacht, daß der Fra­ge­stel­ler auf sei­nem Win­dows-Rech­ner kein ei­ge­nes Be­nut­zer­kon­to ein­ge­rich­tet hat, son­dern mit Ad­mi­ni­stra­tor­rech­ten ar­bei­tet und surft.) Ei­ni­ge Kol­le­gen wol­len nun auf die elek­tro­ni­sche Ver­ar­bei­tung der Schü­ler­da­ten kom­plett ver­zich­ten. Prin­zi­piell die bes­se­re Wahl bei sol­chen Schwie­rig­kei­ten.

Insgesamt er­scheint mir die­se zwar nicht neue, aber nun end­lich an­ge­wand­te Re­ge­lung als nicht aus­rei­chend. An­de­rer­seits ist das gan­ze in­so­fern ein Witz, als daß das le­dig­lich für die elek­tro­ni­sche Spei­che­rung und Ver­ar­bei­tung von Da­ten gilt. Mei­ne No­ten­li­ste im pa­pie­re­nen Leh­rer­ka­len­der in­ter­es­siert die Da­ten­schüt­zer weit we­ni­ger und ist nicht ge­neh­mi­gungs­pflich­tig. Und ich kann mei­ne Ta­sche ge­nau­so ir­gend­wo ver­ges­sen oder mir steh­len las­sen wie ei­nen USB-Stick. Letz­te­ren ha­be ich we­nig­stens ver­schlüs­selt; mei­ne Ta­sche mit dem pa­pie­re­nen Leh­rer­ka­len­der nicht.
   Das Haupt­problem liegt in mei­nen Au­gen ein­fach da­rin, daß es für Leh­rer an Schu­len (im Ge­gen­satz zu Hoch­schu­len) kei­nen Ar­beits­platz gibt. An ei­nem sol­chen könn­ten ent­spre­chen­de Si­che­rungs­maß­nah­men des Ar­beit­ge­bers grei­fen, und der Trans­port von per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten von zu­hau­se zur Ar­beits­stel­le wä­re hin­fäl­lig. Egal ob in ana­lo­ger oder di­gi­ta­ler Form.

Test versaut (II)

26. März 2010

Nach der Er­fah­rung mit den 5. Klas­sen woll­te ich beim Bio-Test in den 8. Klas­sen vor­sich­ti­ger sein. Vor al­lem, nach­dem er der er­sten Klas­se sehr leicht ge­fal­len war, woll­te ich nicht, daß vor­ab et­was in die Pa­ral­lel­klas­se durch­sickert. Ich be­schloß al­so, den Test nicht vor­zei­tig zu­rück­zu­ge­ben, und gab nur die No­ten be­kannt. Son­ja aber be­dräng­te mich: „Ich habe Är­ger zu­hau­se mit mei­nen El­tern. Ich muß ih­nen zei­gen, daß ich nun ei­nen gu­ten Test ge­schrie­ben ha­be. Wenn Sie den Test noch nicht zu­rück­ge­ben; kön­nen Sie mir dann nicht we­nig­stens ei­ne Ko­pie von mei­nem Test ma­chen?“ Da­rauf ließ ich mich na­tür­lich nicht ein, bot ihr aber an, ei­ne Be­schei­ni­gung über ihr Er­geb­nis aus­zu­stellen.

Gegen Ende der Schul­stun­de fragte mich dann je­mand, ob die Pa­ral­lel­klas­se ei­gent­lich den glei­chen Test be­kä­me. „Nein, da neh­me ich Än­de­run­gen vor,“ ant­wor­te­te ich. Da fuhr es aus Son­ja he­raus: „Dann brau­che ich auch kei­ne Ko­pie.“ Hat­te ich mir doch ge­dacht …

Lieblingslehrer

24. März 2010

Während meiner Mittags­pausen­auf­sicht kommt eine klei­ne Gruppe Siebt­kläßler auf mich zu. So schätze ich sie je­den­falls ein; ich un­ter­rich­te Sechst- und Acht­kläßler, und in bei­de Al­ters­grup­pen scheint mir diese Schü­ler­grup­pe nicht hi­nein­zu­pas­sen. Ich ken­ne die Schü­le­rin­nen und Schü­ler also nicht, die da auf mich zu­kom­men. Wäh­rend sich die an­de­ren et­was ab­seits hal­ten, stellt sich einer vor mich und er­klärt mir:

Herr Biolehrer, ich liebe Sie. Sie sind der beste Lehrer, den ich je hatte; mein absoluter Lieblingslehrer.

Ich gucke ihn an.

Hast Du ‘ne Wette verloren?

Er grinst verlegen, wäh­rend der Rest der Grup­pe an­fängt, lei­se zu ki­chern.

Wahrheit oder Pflicht.
 

Als ich im Laufe des Vor­mit­tags an der Schule an­kom­me, steht eine der 5. Klas­sen vor dem Ein­gang zur Sport­halle. Ein Mäd­chen schreit mir quer über den Platz zu:

Hallo, Herr Biolehrer! Ich bin ein Säugetier!

Na, hat die Kleine ja doch et­was ge­lernt.
 

Die Leiter

19. März 2010

Mit den Schülern mei­ner AG habe ich auf dem Schul­ge­län­de Nist­kä­sten für Vö­gel auf­ge­hängt. Ei­gent­lich hät­te ich da­für die Acht­kläß­ler gut ge­brau­chen kön­nen, die jedoch fehl­ten. Die Fünft­kläß­ler waren na­tür­lich be­son­ders eifrig bei der Sa­che. Den am höch­sten auf­zu­hän­gen­den Kasten ha­ben sie aber auf­grund seiner Be­fe­sti­gung nicht ge­hand­habt be­kom­men. Da mußte ich dann auf die Lei­ter, um den Kasten in ca. 3,50 m Hö­he am Baum zu be­fe­sti­gen.

Als der Kasten hing, woll­ten die Kin­der sich das ‘mal „von oben“ ge­nau an­sehen. Eines nach dem an­de­ren klet­ter­te die von mir ge­hal­te­ne Lei­ter hoch und ge­noß die Aus­sicht und das gu­te Ge­fühl, so hoch ge­klet­tert zu sein. Ganz be­gei­stert stieg die „Prin­zes­sin des Müll­con­tai­ners“ die Leiter hoch.

Mein Vater läßt mich nie Leitern hochklettern!

Da geriet ich dann ins Schwitzen.
 

Verletzt

19. März 2010

Als ich in der 8. Klasse die Bö­gen für ei­nen Test aus­teil­te, wies mich Kai auf seine ver­bun­de­ne rech­te Hand hin. Er kön­ne den Test nicht mit­schrei­ben. „Doch, kannst Du.“ Es folg­ten aus­führ­li­che Er­klä­run­gen von Kai, daß da letz­te Wo­che sei­ne Schnitt­ver­let­zung ge­näht wor­den sei, daß da die Seh­ne in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen sei, und er die­se Hand ein­fach nicht ge­brau­chen kön­ne.

Ich selbst hatte die Ver­let­zung erst­ver­sorgt und an­schließend ver­an­laßt, daß sich ein Chi­rurg der Wun­de an­nahm; und ich hat­te auch aus si­che­rer Quel­le er­fah­ren, daß die be­fürch­te­te Seh­nen­ver­let­zung im Kran­ken­haus aus­ge­schlos­sen wor­den war. Wohl wis­send, daß jeg­li­che Ar­gu­men­ta­tion er­folg­los blei­ben wür­de, gab ich ihm noch zu ver­ste­hen, daß er die­sen klei­nen Test ja auch mit der lin­ken Hand aus­fül­len kön­ne, und ein nicht aus­gefüll­ter Test eben mit einer Sechs be­no­tet wür­de. „Ich schreib’ den Test nicht mit,“ war die stör­ri­sche Re­ak­tion, und mit ver­schränk­ten Ar­men saß er dann ge­nau ei­ne Mi­nu­te vor dem Blatt.

Dann bemerkte Kai, daß der Test ver­gleichs­wei­se ein­fach war. Eine leich­te Ge­le­gen­heit, ei­ne gu­te No­te zu er­lan­gen. Die woll­te er dann doch nicht un­ge­nutzt las­sen, schnapp­te sich ei­nen Stift und füll­te den Bo­gen aus.
   Seitdem nervt er mich bei je­der Be­geg­nung auf dem Hof oder im Trep­pen­haus mit der Fra­ge, ob ich den Test schon kor­ri­giert ha­be, und was er für eine No­te ha­be.

Wird es warm?

15. März 2010

Anfang November pro­phe­zei­te ich ei­nen bal­di­gen Käl­te­ein­bruch: Ich hat­te die Kra­ni­che ge­hört. Kalt wur­de es in den fol­gen­den Wo­chen je­doch nicht.

Am Wochen­ende habe ich nun Kra­ni­che auf dem Rück­weg ge­hört und ge­se­hen. Viel­leicht wird es jetzt ja wie­der wär­mer. Ei­gent­lich mag ich den Win­ter; und ich ha­be mich die­ses Jahr sehr über den Schnee ge­freut. Aber jetzt ist’s auch gut.

Zum Wochenende (XX)

13. März 2010

Große Wut

12. März 2010

Zwei Acht­kläß­le­rin­nen er­zäh­len mir, wie ein Kol­le­ge aus­ge­ra­stet ist:

Erst hat der Herr Kunst­leh­rer ei­nen ganz ro­ten Kopf be­kom­men. Dann hat er zwei­mal ge­gen den Over­head-Pro­jek­tor ge­tre­ten und ein­mal ge­gen die Wand ge­hau­en. Und dann ist er mit sei­nem ro­ten Kopf aus der Klas­se ge­rannt. Hin­ter­her hat er sich dann ent­schul­digt.

Ich konnte mir das bild­lich vor­stel­len: Erst bringt die Klas­se ihn an den Rand der Ver­zweif­lung, und dann war sei­ne Ge­duld am En­de. Am amü­san­te­sten fand ich aber im­mer noch die Art und Wei­se, wie mir die bei­den Mäd­chen das er­zählt ha­ben.
   Und dabei muß man dann noch ernst bleiben.

Morgendlicher Small-talk

12. März 2010

Frühmorgens sind wir ja alle noch nicht so rich­tig wach. An der Am­pel vor der Schu­le tref­fe ich ei­nen Kol­le­gen, den ich sonst schon ‘mal in oder an der Straßen­bahn tref­fe. Wa­rum das an je­nem Tag nicht der Fall war, er­zähl­te ich ihm:
   „Ich bin heute schon am Dings­bums­platz aus­ge­stie­gen, weil ich noch kurz in den Su­per­markt woll­te.“  „Ah ja.“  „Den Rest des We­ges bin ich dann zu Fuß ge­gan­gen.“  „Mit wel­cher Straßen­bahn kommst Du denn?“  „Mit der Li­nie So­und­so.“  „Ah ja.“ Er denkt ei­nen Au­gen­blick nach und fragt dann: „Und warum steigst Du dann am Dings­bums­platz aus statt an un­se­rer Hal­te­stel­le?“  „Weil ich noch in den Su­per­markt woll­te.“  „Ach, ja.“

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