In der 9. Klasse steht Men­schen­kun­de auf dem Lehr­plan, und ich habe mich mit dem Blut lan­ge auf­ge­hal­ten; u. a. auch des­we­gen, weil ich In­fek­tio­nen und Im­mun­sy­stem in die­sem Zu­sam­men­hang be­han­delt ha­be (war ja auch ge­ra­de ak­tuell: Schwei­ne­grip­pe usw.). Zwecks in­ter­es­san­ten und ab­wechs­lungs­rei­chen Un­ter­richts hat­te ich ein Ex­pe­ri­men­tier-Set be­stel­len las­sen. Noch vor Weih­nach­ten be­stellt, war es zwei Wo­chen nach den Fe­rien im­mer noch nicht da. Zu­nächst ein­mal konn­te ich ei­ne Stun­de mit ei­nem Film fül­len; eine BBC-Do­ku­men­ta­tion über In­fek­tions­krank­hei­ten; das paßte zum ge­ra­de ab­ge­schlos­se­nen The­ma Im­mun­sy­stem und In­fek­tio­nen. Als in der näch­sten Wo­che mein Ex­pe­ri­ment im­mer noch nicht da war, wur­de es eng. Bei diesem Test-Set mit künst­li­chem Blut kön­nen die Schü­ler das Ver­klum­pen beim Mi­schen der un­ter­schied­li­chen Blut­grup­pen nach­voll­zie­hen und selbst Über­le­gun­gen zur Blut­grup­pen­zu­ge­hörig­keit durch­füh­ren. Oh­ne die­sen Ver­such woll­te ich mit dem The­ma Blut­grup­pen un­gern be­gin­nen.

Mir fiel trotzdem et­was ab­wechs­lungs­rei­ches und auf­lockern­des, den­noch zum The­ma pas­sen­des ein. Ich ko­pier­te ei­ni­ge Sei­ten aus „Dracula“ von Bram Stoker (1897), die wir dann im Un­ter­richt ge­mein­sam ge­le­sen ha­ben. Da gibt es eine sehr schö­ne Pas­sa­ge, in der Prof. van Hel­sing der durch Blut­ver­lust ge­schwäch­ten Pa­tien­tin das Blut ih­res Verlobten über­trägt. Li­te­ra­risch sehr schön be­schrie­ben; da­zwi­schen das Rät­sel­ra­ten um den Grund des star­ken Blut­ver­lustes (der Le­ser ahnt ihn be­reits). In­ter­es­sant auch das me­di­zi­ni­sche Bei­werk die­ses Ab­schnit­tes; ei­ner­seits der Wis­sens­stand der da­ma­li­gen Zeit (in der die Blut­grup­pen noch un­be­kannt wa­ren!), an­de­rer­seits das me­di­zi­ni­sche Halb­wis­sen des Au­tors, der si­cher­lich nicht im­mer den da­ma­li­gen Wis­sens­stand kor­rekt wider­gibt.

Als Vorbereitung auf das Thema Blut­grup­pen und Trans­fu­sio­nen war der Text gut ge­eig­net und bot ‘mal et­was an­de­res.

    Dann ging Van Helsing schnell und si­cher an die Ar­beit. Be­reits wäh­rend der Trans­fu­sion schien ei­ne Spur von Le­ben in Lu­cys Wan­gen zu­rück­zu­keh­ren, und durch die zu­neh­men­de Bläs­se von Ar­thur hin­durch schim­mer­te sei­ne Freu­de über den Er­folg. Nach ei­ner Wei­le wur­de ich un­ru­hig, denn trotz Ar­thurs kräf­ti­ger Na­tur hin­ter­ließ der Blut­ver­lust bei ihm sei­ne Spu­ren. Das gab mir ei­ne Vor­stel­lung da­von, was Lu­cys Kör­per ge­lit­ten ha­ben mußte, denn ob­wohl Ar­thur be­reits ge­schwächt war, konn­te sie sich nur teil­wei­se er­ho­len. Aber der Pro­fes­sor ver­zog kei­ne Mie­ne. Mit der Uhr in der Hand blick­te er ab­wech­selnd auf die Pa­tien­tin und dann auf Ar­thur. Ich konn­te mein ei­ge­nes Herz schla­gen hö­ren. Schließ­lich sag­te er mit sanf­ter Stim­me: »Blei­ben Sie ei­nen Au­gen­blick ganz re­gungs­los. Es ist ge­nug. Küm­mern Sie sich um ihn, ich um das Mäd­chen.« Nach­dem nun al­les vor­bei war, konn­te ich se­hen, wie er­schöpft Ar­thur war. Ich ver­band sei­ne Wun­de und woll­te ihn aus dem Zim­mer füh­ren, als Van Hel­sing — der Mann scheint selbst im Hin­ter­kopf noch Au­gen zu ha­ben — oh­ne sich um­zu­dre­hen sag­te:
    »Der tap­fe­re Bräu­ti­gam ver­dient, glau­be ich, noch ei­nen Kuß.« Da er sei­ne Tä­tig­keit be­en­det hat­te, rich­te­te er noch das Kis­sen un­ter Lu­cys Kopf zu­recht. Da­bei ver­schob sich das schma­le Samt­band, das sie im­mer um den Hals trug und das von ei­ner an­ti­ken Dia­man­ten­span­ge zu­sam­men­ge­hal­ten wur­de, ei­nem Ge­schenk ih­res Bräu­ti­gams. Auf ih­rem Hals aber zeig­te sich jetzt eine ro­te Stel­le.
 
    Aus dem Englischen von Karl Bruno Leder, insel taschenbuch 1086 (1988)

Wo ich gerade dabei bin: Auch wenn es sich (anders als „Dracula“) nicht im Un­ter­richt ein­set­zen läßt, kann ich aus bio­lo­gisch-me­di­zi­ni­scher und nicht zu­letzt ethi­scher Sicht fol­gen­de weitere Wer­ke sehr em­pfeh­len: Mary Shelleys „Franken­stein oder Der mo­der­ne Pro­me­theus“ (1818) so­wie Ro­bert Louis Ste­ven­sons „Der selt­sa­me Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1886) sind sehr loh­nens­wer­te Lektüren. Wäre ich Eng­lisch­leh­rer, stün­den sie auf mei­nem Plan. Le­sen Sie die­se Bü­cher ru­hig ‘mal; die li­te­ra­ri­schen Vor­la­gen sind in meinen Augen ge­ne­rell bes­ser als ih­re be­kann­ten fil­mi­schen Um­set­zun­gen.

Tierisch guter Unterricht?

8. Februar 2010

In den 5. Klassen hat mich ein Mäd­chen über Mo­na­te hin­weg mit der Frage ge­nervt, ob es ‘mal sei­ne Mäu­se mit­brin­gen dür­fe. Ich ha­be es im­mer wie­der ver­trö­stet; das pas­se jetzt nicht ins The­ma (Zell­bio­lo­gie, spä­ter Evo­lu­tion), aber bald ‘mal, wenn es um Säu­ge­tie­re ge­he.
Das war nun so­weit; ich habe mit den Kin­dern An­pas­sun­gen an ver­schie­de­ne Le­bens­räu­me und Le­bens­wei­sen be­spro­chen, qua­si als Fort­set­zung des The­mas Evo­lu­tion. Von die­sem hat­te ich naht­los über­ge­lei­tet, in­dem ich kurz Am­ph­ibi­en und Rep­ti­lien (ich lege übri­gens auch Wert auf die deut­schen Be­grif­fe Lur­che und Kriech­tie­re) und ihre An­pas­sun­gen beim Weg vom Was­ser- zum Land­le­ben be­spro­chen hat­te. Nun al­so die Säu­ge­tie­re, und dies­be­züg­lich hat­te ich mich zu­nächst ihren ty­pi­schen und für die Kin­der ver­ständ­li­chen Merk­ma­len zu­ge­wandt: Fell, Ge­burt le­ben­der Jun­ger statt Eier­legen, Säu­gen der Jun­gen mit Milch. Auch die Aus­nah­men der ur­tüm­li­chen ei­er­le­gen­den Schna­bel­tie­re und Schna­bel­igel ka­men vor; da­von hat­ten auch ei­ni­ge Schüler schon ge­hört. An­hand ei­ner be­stimm­ten Säu­ge­tier­grup­pe, den In­sek­ten­fres­sern, hat­te ich dann et­was de­tail­lier­ter An­pas­sun­gen an ih­re Le­bens­wei­se dar­ge­stellt: Maul­wür­fe und ih­re ganz be­son­de­ren An­pas­sun­gen an das un­ter­ir­di­sche Le­ben und Igel mit ih­rem Sta­chel­kleid. Auch Fle­der­mäu­se mit ih­rem Flug­ver­mö­gen wa­ren reiz­voll, auch wenn sie mit den In­sek­ten­fres­sern nur nah ver­wandt sind.

Um zu einer wei­te­ren Grup­pe von Säu­ge­tie­ren über­zu­lei­ten, bo­ten sich die Mäu­se an: Das sind wasch­echte Na­ge­tie­re (an­ders als die eben­falls zu den In­sek­ten­fres­sern ge­hö­ren­den Spitz­mäu­se); da­ran könn­te ich al­so ei­ni­ges er­klä­ren und de­mon­strie­ren; und für die Fünft­kläßler wä­ren le­ben­de Tie­re statt der Prä­pa­ra­te aus un­se­rer Samm­lung si­cher­lich auch ‘mal in­ter­es­sant.
Ich sagte dem Mäd­chen al­so zu, daß es an dem be­stimm­ten Tag sei­ne Mäu­se mit­brin­gen dür­fe. Das sprach sich schnell in der Klas­se he­rum, und an­de­re Schü­ler frag­ten nach, ob sie auch ih­re Tie­re mit­brin­gen dürf­ten. Ich ge­stat­te­te (pas­send zum The­ma) das Mit­brin­gen von Na­ge­tie­ren (Meer­schwein­chen, Ham­ster) und Ka­nin­chen; Hun­de ab­zu­leh­nen stieß auf nur we­nig Wi­der­stand, und an­de­re Tie­re wünsch­ten die Kin­der nicht mit­zu­brin­gen. Des­wei­te­ren mach­te ich im In­ter­es­se der Tie­re zur Be­din­gung, daß sie von den El­tern mit dem Au­to ge­bracht wer­den und nicht von den Kin­dern zu Fuß oder mit dem Bus in die Schule ge­bracht wür­den.
Dennoch betrachtete ich das ganze dann als ein ge­wag­tes Ex­pe­ri­ment; und ich war auf den Ab­lauf ge­spannt.

Der Ablauf dieser Dop­pel­stun­de läßt sich mit ei­nem Wort be­schrei­ben: chaotisch!
Ich hatte die Klas­se zu Be­ginn des Un­ter­richts mehr­mals und ein­dring­lich um Ruhe ge­be­ten und das auch mit den Tie­ren und ih­rer Angst be­grün­det. Nutz­los. Die eine Hälf­te der Klas­se war mit den Tie­ren be­schäf­tigt: die ei­ge­nen Tie­re strei­cheln, füt­tern, den Mit­schü­lern zei­gen; die Tie­re der Mit­schü­ler zu strei­cheln ver­su­chen; den Mit­schü­lern Fra­gen zu ih­ren Tie­ren zu stel­len. Die an­de­re Hälf­te war da­mit be­schäf­tigt, sich über die Tier­be­sit­zer und ihr Ver­hal­ten im Un­ter­richt zu er­eifern; mich da­für zu kri­ti­sie­ren, daß sie ih­re Hun­de nicht mit­brin­gen durf­ten; sich ge­gen­sei­tig zu är­gern und Un­fug zu ma­chen (der Leh­rer war ja an tau­send an­de­ren Fron­ten be­schäf­tigt).
Was die Tiere an­ging, so gab es ein et­was ängst­li­ches Ka­nin­chen; das an­de­re und meh­re­re Meer­schwein­chen (die ur­sprüng­lich ge­plan­ten Mäu­se wa­ren wit­te­rungs­be­dingt doch zu­hau­se ge­blie­ben) ließen das gan­ze je­doch ei­ni­ger­maßen sto­isch über sich er­ge­hen. Die sind ver­mut­lich von zu­hau­se aus schon so ei­ni­ges ge­wohnt …

Ein kleines bißchen konn­te ich an den Tie­ren er­klä­ren: Ein Meer­schwein­chen war so ent­spannt, daß ich an ihm die Na­ge­tier­zäh­ne zei­gen konn­te. Der Un­ter­schied zu den In­sek­ten­fres­sern war al­so deut­lich sicht­bar. Viel mehr brach­te der Ein­satz der le­ben­den Tie­re aber nicht; das war ein ziem­li­cher Schuß in den Ofen. Wenn ich nun noch das Chaos im Un­ter­richt be­rück­sich­ti­ge, hat es re­la­tiv we­nig ge­bracht. Ir­gend­wann schnapp­te ich zwar ‘mal ein „der schön­ste Un­ter­richt über­haupt“ auf; aber das kann ich so nicht be­stä­ti­gen. Und nicht zu­letzt war das aus tier­schüt­ze­ri­scher Sicht ei­ne ziem­lich grenz­wer­ti­ge Ver­an­stal­tung. Grund­sätz­lich wür­de ich es den Kin­dern ja gön­nen, ‘mal eine Dop­pel­stun­de ent­spann­tes und locke­res Tie­re­strei­cheln- und -gucken durch­zu­füh­ren. Im In­ter­es­se der Tie­re kann ich das aber nicht wirk­lich ver­ant­wor­ten. Es war ein Ex­pe­ri­ment. In den Pa­ral­lel­klas­sen wer­de ich es nicht wie­der­ho­len. Da muß dann lei­der eben wei­ter­hin die „hal­be Rat­te“ her­hal­ten.

Zum Wochenende (XV)

6. Februar 2010

Streikopfer

6. Februar 2010

Nachdem ich mit der Eisen­bahn in der Groß­stadt an­ge­kom­men war, er­fuhr ich über das Display an der Straßen­bahn­halte­stelle, daß die Ver­kehrs­be­triebe bis 06:30 Uhr ei­nem Warn­streik aus­ge­setzt wa­ren und die Straßen­bahnen da­her noch sehr un­re­gel­mäßig ver­kehr­ten. Nun gut, ich mußte erst zur zwei­ten Stun­de un­ter­rich­ten und war frü­her un­ter­wegs, weil ich für meine AG noch ei­ni­ge Blät­ter la­mi­nie­ren woll­te. Wie das so ist, wenn man einen aus­rei­chen­den Zeit­puf­fer hat, ging al­les glatt, und nach we­ni­gen Mi­nu­ten kam schon ei­ne Straßen­bahn und ich so­mit pünkt­lich zur er­sten Stun­de in der Schu­le an.

Einem Kollegen ging es da schlech­ter: Als ich das La­mi­nier­ge­rät auf­heiz­te, klin­gel­te das Te­le­fon. Das La­mi­nier­ge­rät steht im Büro des Leh­rers, der den Ver­tre­tungs­plan or­ga­ni­siert (also ne­ben der Schul­lei­tung einer der ganz we­ni­gen Leh­rer mit Büro, wes­we­gen das Gerät dort auch de­po­niert ist). „Nein, so ‘was. Das ist jetzt aber schlecht,“ sagte der Ver­tre­tungs­plan­leh­rer, „da kann ich jetzt nichts ma­chen. Ich ha­be nie­man­den mehr frei, kei­ner da.“ Ich mach­te eine fal­sche Be­we­gung mit mei­nen La­mi­nier­fo­lien. „Nein, war­te ‘mal, hier steht der Herr Bio­leh­rer ne­ben mir und scheint nichts zu tun zu ha­ben; war­te ‘mal … Herr Bio­leh­rer, du hast doch die er­ste Stun­de frei, kannst du in die 5. Klasse ge­hen, der Herr Deutsch­leh­rer kann nicht recht­zei­tig in die Schu­le kom­men; sei­ne Straßen­bahn fährt nicht.“  „Grummel­brummel, aber ich will doch la­mi­nie­ren …“  „Ach, was! Stell dich nicht so an; die Klas­se ist jetzt al­lei­ne. Geh da­hin und mach ‘was mit de­nen.“
Also Laminiergerät wieder aus­ge­stellt. Ich war et­was miß­mu­tig. Ich hat­te schon ein­mal in ei­ner 5. Klas­se völ­lig un­vor­be­rei­tet Ver­tre­tung ge­macht; und es war das to­ta­le Chaos ge­we­sen. Fie­ber­haft über­leg­te ich, was ich mit de­nen ma­chen könn­te. Wa­rum ei­gent­lich nicht mei­nen nor­ma­len Un­ter­richt? War diese Wo­che we­gen des Lern­metho­dik-Tags so­wie­so aus­ge­fal­len. Die Schü­ler hat­ten zwar nicht ihre Bio-Sa­chen da­bei, aber das war doch eher ein klei­nes Pro­blem. Ich ging also schnell in die Bio­lo­gie und hol­te dort eine „hal­be Rat­te“ und ei­ni­ge Kie­fer­kno­chen ab. Die „hal­be Rat­te“ ist eine prä­pa­rier­te Rat­te, bei der die eine Hälf­te wie bei ei­nem aus­ge­stopf­ten Tier den Kör­per mit Fell zeigt, die an­de­re Sei­te aber das Ske­lett dar­stellt. Solch ein Prä­pa­rat ha­ben wir auch von ei­nem Maul­wurf, und da­ran hat­te ich den Schü­lern be­reits die In­sek­ten­fres­ser er­klärt. Nun al­so die Na­ge­tie­re und die Un­ter­schie­de zu den In­sek­ten­fres­sern.

In der 5. Klasse an­ge­kom­men, war das Hallo groß. Ob der Herr Bio­leh­rer dort mehr Sym­pa­thie be­sitzt als der Herr Deutsch­leh­rer?
Wider Er­war­ten war der ver­tre­tungs­wei­se (und im Klas­sen­raum statt im Bio­raum) ab­ge­hal­te­ne Un­ter­richt ein vol­ler Er­folg. Die Schü­ler füg­ten sich oh­ne Mur­ren in die Stun­den­plan­än­de­rung, und in der ei­nen Stun­de schaff­ten wir fast so­viel Stoff wie sonst in mei­nen Dop­pel­stun­den. Das war wirklich er­staun­lich. Die ver­lo­re­ne Dop­pel­stun­de al­so gut wie­der auf­ge­holt.
Das versöhnte mich mit dem widerwillig über­nom­me­nen Ver­tre­tungs­un­ter­richt.

Meine AG-Blät­ter la­mi­nier­te ich dann in der Mit­tags­pau­se.
Als ich spät­nach­mittags um 17:00 Uhr wie­der nach Hau­se fah­ren woll­te, hat­ten die Ver­kehrs­be­trie­be sich im­mer noch nicht von dem Warn­streik er­holt. Der Fahr­plan war so rich­tig schön durch­ein­an­der, und am Bahn­hof fuhr mir da­durch mein Zug vor der Na­se weg. Wo war das Pro­blem, nach ei­nem um 06:30 be­en­de­ten Streik bis 17:00 wie­der den Fahr­plan ein­zu­hal­ten? Ich war heu­te schließ­lich auch fle­xi­bel ge­we­sen.

Als Ergänzung zum Beitrag IT und Daten­sicher­heit an der Schule gibt es ein paar wei­te­re Be­ob­ach­tun­gen.

Zum Halbjahresbeginn gab es einen Lern­me­tho­dik-Tag, an dem den Schü­lern et­was Me­tho­dik bei­ge­bracht wer­den soll­te. Mir wur­de eine Grup­pe aus der 12. Stu­fe zu­ge­teilt, de­ren Auf­trag darin be­stand, ei­nen Wi­ki­pe­dia-Ar­ti­kel zu ver­fas­sen. Da­zu ge­hör­te auch die ent­spre­chen­de Re­cher­che über die An­for­de­run­gen an einen sol­chen Ar­ti­kel, das He­ran­zie­hen und An­füh­ren ge­eig­ne­ter Quel­len usw.
An sich eine gute und ge­ra­de auch im Hin­blick auf die Me­tho­dik sinn­vol­le Auf­ga­ben­stel­lung. Für die Praxis ta­ten sich schon bei mei­nen Vor­über­le­gun­gen ei­ni­ge Fra­gen auf: Wel­ches The­ma ist denn noch nicht in der Wi­ki­pe­dia be­han­delt, so daß man dazu noch (außer­halb der Wi­ki­pe­dia) Re­cher­che be­trei­ben kann? Wei­ter­hin sinkt die Mo­ti­va­tion ja auch ge­wal­tig, wenn es ei­nen Ar­ti­kel zu dem The­ma be­reits gibt. Als mög­li­ches Thema nann­te mir der Or­ga­ni­sa­tor des Lern­me­tho­dik-Ta­ges einen Ar­ti­kel über die Schule selbst, die sei bis­her nicht in Wi­ki­pe­dia ver­tre­ten. Naja, dach­te ich; Admin­pe­dia und die be­rüch­tig­ten Lösch­diskus­sio­nen um Re­le­vanz … Mehr als die­sen Auf­trag und den Tip mit dem Ar­ti­kel über die Schule be­kam ich nicht.
Während die Lehrer für al­le an­de­ren Klas­sen­stu­fen de­tail­lier­te schrift­li­che Ar­beits­auf­trä­ge und für ihre Schüler ko­pier­te Ar­beits- und An­lei­tungs­blät­ter er­hiel­ten, gin­gen wir vier Kol­le­gen, die die 12. Stu­fe und den Wi­ki­pe­dia-Auf­trag hat­ten, leer aus. Das sorg­te be­reits für Frust bei uns Lehrern und in­fol­ge­des­sen auch bei den Schü­lern der 12. Stufe.
Die Laune wur­de nicht bes­ser, als wir fest­stell­ten, daß die uns zu­ge­wie­se­nen Räume über kei­nen ein­zi­gen Com­pu­ter ver­füg­ten. Wie hat sich der Or­ga­ni­sa­tor die­ses Ta­ges das ei­gent­lich vor­ge­stellt? Ich hol­te mir dann im Se­kre­ta­riat einen Schlüs­sel für den In­for­ma­tik­raum und ging mit den Schü­lern dort­hin. Auf die­se Idee kam noch ein an­de­rer Kol­le­ge. Zu­sam­men ver­such­ten wir dort dann, dem Ar­beits­auf­trag ein bißchen Struk­tur zu ge­ben.

Es drängt sich mir der Ein­druck auf, daß die­ses The­ma in sei­ner Nicht-Vor­be­rei­tung auch von ei­ner fal­schen und blau­äugi­gen Ein­stel­lung zum The­ma In­ter­net ge­prägt war. Wa­rum war aus­ge­rech­net die­ses The­ma als ein­zi­ges nicht de­tail­liert vor­be­rei­tet und aus­ge­ar­bei­tet wor­den? Mit dem The­ma an sich kann man ei­nen sehr er­folg­rei­chen Lern­me­tho­dik-Tag be­strei­ten; es muß nur er­stens ent­spre­chend vor­be­rei­tet sein und zwei­tens auch die zur Ver­fü­gung ste­hen­de In­fra­struk­tur (Com­pu­ter­zu­gang, Bi­blio­the­ken usw.) be­rück­sich­tigt wer­den. Ge­ra­de im Hin­blick auf Bü­cher und Zeit­schrif­ten sa­hen die Re­cher­che-Mög­lich­kei­ten noch dü­ste­rer aus.

Was die In­fra­struk­tur an­geht, war ich übri­gens froh, daß der Kol­le­ge auf die glei­che Idee ge­kom­men war, den In­for­ma­tik­raum zu nut­zen. Er un­ter­rich­tet auch In­for­ma­tik und kann­te die Ein­rich­tung. Ich hat­te den Schü­lern le­dig­lich den Raum auf­ge­schlos­sen und sie an die Rech­ner ge­las­sen (das ist ja ir­gend­wie auch schon wie­der eine merk­wür­di­ge Sa­che, daß das so ein­fach mög­lich ist ohne ei­ne vor­he­ri­ge Ein­wei­sung). Der Kol­le­ge zeig­te mir, daß es ein Pro­gramm gibt, mit dem man vom Leh­rer-Rech­ner aus die Ak­ti­vi­tä­ten auf den Schü­ler-Rech­nern be­ob­ach­ten kann. Das war dann auch durch­aus an­ge­bracht. Zwei Schü­ler spiel­ten Counter­strike, wäh­rend die an­de­ren re­cher­chier­ten. Das hat der Kol­le­ge dann do­ku­men­tiert und un­ter­bun­den.
Als ich später mit dem Chef-In­for­ma­tik­lehrer da­rü­ber sprach, war die­ser sehr er­bost, daß wir die De­lin­quen­ten nicht gleich zum Schul­lei­ter ge­schickt hat­ten. Ge­ra­de Counter­strike und ähn­li­che Spie­le wür­den sehr viel stren­ger ge­ahn­det als z. B. Schach oder Tetris. Dies ge­sche­he im Hin­blick auf Amok­läufe und Kil­ler­spiel-Diskus­sio­nen. Hmm. Naja. Das ist in mei­nen Au­gen eine ganz an­de­re Bau­stel­le; und ob man da­mit auf diese Art um­ge­hen soll, das weiß ich auch nicht. Ich fand es ei­gent­lich viel gra­vie­ren­der, daß die Schü­ler die Spiel­da­tei­en auf dem Schul­ser­ver ab­ge­legt hat­ten und von dort star­te­ten.
Wie auch immer: Es zeig­te sich, daß es da so­wohl in tech­ni­scher als auch in pä­da­go­gi­scher Hin­sicht große Schwach­stel­len im Sy­stem gibt. Wa­rum ist es über­haupt mög­lich, daß die Schü­ler Pro­gram­me auf dem Schul­ser­ver ab­le­gen kön­nen? Wenn es ent­spre­chend stren­ge Richt­li­nien gibt, wie mit „Killer­spielern“ ver­fah­ren wer­den soll, wa­rum wis­sen das nicht zu­min­dest al­le In­for­ma­tik­leh­rer?

Umgekehrt konnten die Schü­ler von den Schul­rech­nern aus kei­ne Wi­ki­pe­dia-Bei­trä­ge er­stel­len oder edi­tie­ren. Die IP der Schu­le war sei­tens Wi­ki­pe­dia kom­plett ge­blockt. Ver­mut­lich ist der Adreß­be­reich sehr vie­ler Schu­len bei Wi­ki­pe­dia ge­blockt. Ei­ni­ge Schü­ler grif­fen dann per Handy auf Wi­ki­pe­dia zu (zwecks Re­cher­che hat­te mein Kol­le­ge Handys zu­ge­las­sen; sind sonst an der Schu­le un­ter­sagt). Der ein­ge­stell­te Ar­ti­kel zu ei­nem Jux-Thema wurde in­ner­halb von Mi­nu­ten ge­löscht; auf Stupi­pedia hat­te er dann erst ein­mal Be­stand.
Ach so, Wikipedia-Bashing: Es gibt doch be­reits ei­nen Ar­ti­kel zu un­se­rer Schu­le auf Wi­ki­pe­dia. Er ist et­was ma­ger, aber was ich in­ter­es­san­ter fand, war der Um­stand, daß es da­zu tat­säch­lich be­reits ei­ne Lösch­diskus­sion ge­ge­ben hat­te. Grund der be­an­trag­ten (aber nicht durch­ge­führ­ten) Lö­schung: Relevanz.

Das Überwachungs­programm im In­for­ma­tik­raum scheint mir übri­gens ei­ni­ge Schwach­stel­len zu ha­ben. Einige der über­wach­ten Schüler­com­pu­ter „ver­schwan­den“ wäh­rend des Vor­mit­tags vom Lehrer-Bild­schirm, und knapp die Hälf­te wurde gar nicht erst an­ge­zeigt. Die­ses Pro­blem be­kam der Kol­le­ge auch nicht ge­löst.

Im Beitrag „Ab­we­sen­heit (und wei­te­re Ge­dan­ken)“ hatte ich schon er­wähnt, daß ich für die Kol­le­gen, die mich ver­tre­ten soll­ten, Auf­ga­ben vor­be­rei­tet hat­te. Nor­ma­ler­wei­se sieht das so aus, daß der Fach­leh­rer dem ver­tre­ten­den Kol­le­gen einen Zet­tel mit Auf­ga­ben hin­ter­läßt (meist: „Buch S. X, Aufg. X u. Z“), die die Schü­ler dann (selb­stän­dig) be­ar­bei­ten sol­len. Oft nur Be­schäf­ti­gungs­the­ra­pie, aber deut­lich sinn­vol­ler als bloßes Haus­auf­ga­ben-ma­chen-las­sen.
Ich hatte mir meh­re­re Auf­ga­ben aus­ge­dacht, die teil­wei­se die ver­gan­ge­nen Stun­den wie­der­ho­len soll­ten, teil­wei­se aber auch schon eine Vor­be­rei­tung auf die kom­men­den Stun­den dar­stell­ten. Für eine Dop­pel­stun­de Bio­lo­gie in ei­ner 5. Klas­se war da re­la­tiv viel zu­sam­men­ge­kom­men.

Nun be­schwer­ten sich die Schü­ler bei mir. Nicht über die Auf­ga­ben an sich (die fan­den sie teil­wei­se so­gar gut), son­dern da­rü­ber, daß die Kol­le­gin, die die Ver­tre­tung ge­macht hat­te, ih­nen die Auf­ga­ben nicht am Stück ge­ge­ben hat­te, son­dern sie erst die er­ste er­le­di­gen ließ, dannn erst mit der zwei­ten ‘raus­rückte usw. So waren die Schü­ler die ganze Zeit be­schäf­tigt und be­ka­men nach und nach die Auf­ga­ben. Die Schü­ler fan­den das doof.
Ich fand diese Vor­ge­hens­wei­se gar nicht schlecht.

Unterfordert?

3. Februar 2010

Mir ist da heute gleich zwei­mal et­was auf­ge­fal­len: ein­mal im Un­ter­richt und dann so­eben beim Bei­trag „No­ten­ge­bung“: Es gibt ja ei­ni­ge Schü­ler, die ei­gent­lich sehr gut sind, oder es zu­min­dest sein könn­ten. Bei de­nen man dann an­nimmt, daß sie sich im Un­ter­richt un­ter­for­dert füh­len und des­we­gen Un­fug ma­chen oder gar schlecht sind.
Ich empfinde das als eine zwei­schnei­di­ge Sache. Ich kann mei­nen Un­ter­richt eben nicht auf je­den ein­zel­nen Schü­ler ab­stim­men. Es blei­ben zwangs­läu­fig die schlech­te­ren auf der Strecke, und die be­sten füh­len sich un­ter­for­dert. Sol­che un­ter­for­der­ten Einser-Kan­di­da­ten habe ich in fast je­der un­ter­rich­te­ten Klas­se, und die mei­sten ma­chen kei­ne Pro­ble­me. Manch­mal lang­wei­len sie sich, manch­mal amü­sie­ren sie sich über ihre „dum­men“ Mit­schü­ler; viele son­nen sich in der Ge­wiß­heit, daß sie gut sind und der Leh­rer sich den schlech­te­ren zu­wen­den muß. Da­mit muß man als in­tel­li­gen­ter und leicht ler­nen­der Schü­ler leben und um­ge­hen kön­nen. Ein Grund da­für, nicht auf­zu­pas­sen oder gar den Un­ter­richt zu stö­ren, ist das in mei­nen Au­gen nicht. Ich kann da die hö­he­re Be­ga­bung nicht als Ent­schul­di­gung gel­ten las­sen. Das ist mei­ner Mei­nung nach eine ganz an­de­re Bau­stel­le: es geht um das So­zial­ver­hal­ten. Wenn man nicht in der Lage ist, sich auch bei ge­rin­gen, nicht for­dern­den An­sprü­chen ruhig zu ver­hal­ten und auf­zu­pas­sen, dann hat man ein Problem mit dem ei­ge­nen Ver­hal­ten und nicht da­mit, daß man „zu schlau“ für die an­de­ren und den ge­bo­te­nen Un­ter­richt ist.

Möglicherweise ent­spricht diese Auf­fas­sung so gar nicht der herr­schen­den pä­da­go­gi­schen Leh­re (von der ich zu we­nig weiß), aber so sehe ich das und damit auch die be­tref­fen­den Schü­ler et­was mehr in der Pflicht.

Notengebung

3. Februar 2010

So, das Halb­jahr ist um. Zum er­sten Mal habe ich Zeug­nis­noten ge­ge­ben. Das ist schon ein merk­wür­di­ges Ge­fühl, und ich habe das nicht auf die leich­te Schul­ter ge­nom­men. Als Leh­rer ei­nes Ne­ben­fa­ches hat­te ich kei­ne Klas­sen­ar­bei­ten als Orien­tie­rung zur Ver­fü­gung. An­de­rer­seits habe ich (mit Aus­nah­me einer Klas­se, wo es ter­min­lich nicht mehr passte), in al­len Klas­sen min­de­stens zwei Tests schrei­ben las­sen. Diese Tests waren sehr hilf­reich, wurde ich so doch auf ei­ni­ge eher et­was stil­le Schü­ler auf­merk­sam, die trotz­dem eine gute Lei­stung brach­ten. Da konn­te ich dann im Un­ter­richt ‘mal ge­zielt ei­ni­ge Fra­gen stel­len, de­ren Be­ant­wor­tung dann den guten Ein­druck des Tests be­stä­tig­te. Wei­ter­hin gab es manch­mal Über­ra­schun­gen, weil einige Schü­ler, die im Un­ter­richt nur Un­fug ma­chen (und oft nicht wis­sen, wo­rum es ge­ra­de geht), un­er­war­tet gute Tests ge­schrie­ben ha­ben. Da musste ich dann sorg­fäl­tig un­ter­schei­den: Ei­ni­ge schei­nen wirk­lich sehr gut und im Un­ter­richt eher un­ter­for­dert zu sein. An­de­re sind nur ge­schickt ge­nug, wo­an­ders ab­zu­schrei­ben. Die letzt­ge­nann­ten las­sen sich in mei­nen Au­gen be­son­ders schwer be­ur­tei­len, und da bin ich dann froh, wenn ich die Un­ter­richts­lei­stun­gen ei­ni­ger­maßen sicher he­ran­zie­hen kann. Ins­ge­samt ha­ben sich die mut­maß­li­chen „Ab­schrei­ber“ da­durch doch Vor­teile in der Be­no­tung ver­schaf­fen kön­nen. Muß ich leider so fest­stel­len.

Bemerkenswert fand ich, daß ich beim Ein­tra­gen der Zen­su­ren und wäh­rend der Zeug­nis­kon­fe­renz er­fuhr, daß es bei vie­len Schü­lern kei­ne großen Un­ter­schie­de in den ein­zel­nen Fä­chern gibt. Die mei­sten sind ge­ne­rell gut, mit­tel­mäßig oder schlecht. Daß je­mand in dem ei­nen Fach gut und in dem an­de­ren schlecht ist, gab es sel­ten. Da­her war ich auch et­was be­ru­higt, daß mei­ne Be­no­tung meist im üb­li­chen Rah­men lag.

Dennoch bleibt ein leicht mul­mi­ges Ge­fühl. So ganz si­cher bin ich nicht, ob ich alle Schü­ler wirk­lich ge­recht be­ur­teilt ha­be. Bei ei­ni­gen, die eher schlecht wa­ren und zwi­schen zwei No­ten stan­den, habe ich zwecks Mo­ti­va­tion dann doch die bes­se­re No­te ge­ge­ben und nur in schwe­ren Fäl­len als Warn­schuß die schlech­te­re ge­ge­ben. Mit den mei­sten Schü­lern hat­te ich ja auch im Vor­feld schon ge­spro­chen und ih­nen ih­ren Lei­stungs­stand und ihre ab­seh­ba­re Zeug­nis­no­te mit­ge­teilt. Da­bei gab es dann auch noch ein­dring­li­che Hin­wei­se und Er­mah­nun­gen. An­de­re hat­te ich we­gen Klas­sen­fahrt und an­de­rer Um­stän­de vor den Zeug­nis­kon­fe­ren­zen nicht mehr ge­se­hen. Da gab es dann im Nach­hi­nein doch Be­schwer­den.
Kai aus der 8. Klas­se frag­te mich, warum ich ihm in mei­nem zwei­ten Fach eine 5 ge­ge­ben hat­te. Ich fragte erst ein­mal zu­rück, ob diese Frage ernst ge­meint sei. Im­mer­hin war der Test (den zwei­ten hat­te er nicht mit­ge­schrie­ben) eine glat­te und be­leg­ba­re 5, und eine Mit­ar­beit im Un­ter­richt war ab­so­lut nicht zu er­ken­nen. Im Ge­gen­teil: wenn nicht durch per­ma­nen­tes Ge­re­de der Un­ter­richt ge­stört wur­de, kam auch auf Nach­fra­ge kein Wis­sen, es wur­den kei­ne Haus­auf­ga­ben ge­macht, und selbst zum He­raus­ho­len des Hef­tes und dem Mit­schrei­ben des Un­ter­richts­in­hal­tes mußte ich Kai im­mer wie­der mehr­fach auf­for­dern. Den­noch hat ihn die 5 über­rascht, denn in den Vor­jah­ren hat­te er in die­sem Fach eine 1. Sag­te er mir nun je­den­falls, und wenn das tat­sächlich stimmt, dann ist die Frage be­rech­tigt, wa­rum es nun solch einen Ab­sturz ge­ge­ben hat.

Insgesamt habe ich (bei ins­ge­samt neun Klas­sen in zehn un­ter­rich­te­ten Fä­chern) vier Fün­fen ver­ge­ben. Die er­schei­nen mir al­le ge­recht­fer­tigt und sind be­gründ­bar; aber ger­ne habe ich sie nicht ge­ge­ben. An­de­rer­seits gab es sehr viel mehr Ein­sen, und da­zwi­schen gab es das gan­ze Spek­trum.
Etwas be­dauer­lich finde ich, daß es keine Ten­den­zen in den Zeug­nis­sen gibt; Plus oder Mi­nus ha­ben zwar den­noch vie­le Kol­le­gen in die Zeug­nis­map­pen ein­ge­tra­gen aber im Zeug­nis gibt es sie nicht. Da­durch er­gibt sich in mei­nen Au­gen schon eine leicht un­ge­rech­te Be­no­tung; denn zwi­schen ei­ner gu­ten und einer schlech­ten 3 be­steht in mei­nen Au­gen schon ein Un­ter­schied. Die sechs­stu­fi­ge deut­sche No­ten­ge­bung habe ich nun erst­ma­lig als nicht aus­rei­chend em­pfun­den (aus Frank­reich ken­ne ich das Sy­stem mit 20 Punk­ten, was eine dif­fe­ren­zier­te­re Aus­sa­ge zu­lässt, aber viel­leicht doch et­was zu de­tail­liert ist).

Merkwürdig fand ich, daß sich in der einen Klas­se ei­ni­ge Schü­ler bit­ter­lich über eine 3 be­klag­ten, wäh­rend in der Pa­ral­lel­klas­se (bei ver­gleich­ba­ren Lei­stun­gen) die Schü­ler nach­ein­an­der Freu­den­sprün­ge mach­ten, als sie er­fuh­ren, daß sie eine 3 be­kom­men wer­den. Die sind manch­mal schon merk­wür­dig, die­se Schü­ler.

Ich bin froh, daß das nun er­le­digt ist, und habe für mich et­was ge­lernt: Ich muß mei­ne No­ten noch bes­ser ab­si­chern, in­dem ich im Lau­fe des Halb­jah­res die Lei­stun­gen bes­ser do­ku­men­tie­re. Da­zu ge­hö­ren gründ­li­che­re Kon­trol­len der Haus­auf­ga­ben und idealer­weise auch mehr Tests. An­de­rer­seits (weil die münd­liche Lei­stung ja auch viel zählt) muß ich im Un­ter­richt ge­zielt auch ‘mal die sich nicht mel­den­den Schü­ler dran­neh­men.
Diese Noten­ge­bung war wieder ‘mal einer der Punk­te, bei de­nen ich mich sehr un­sicher füh­le, weil ich als nicht aus­ge­bil­de­ter Leh­rer nicht weiß, ob ich das alles rich­tig ma­che. Ver­mut­lich schon; aber es fehlt ein­fach das si­che­re Ge­fühl, hier eine Tätig­keit aus­zuüben, in der man aus­ge­bil­det ist, und die man be­herrscht. Letz­te­res kommt hof­fent­lich noch.

Zum Wochenende (XIV)

30. Januar 2010

Weil ich gestern das Thema schon an­ge­schnit­ten habe, nun noch etwas aus­führ­li­cher dazu. Der Herr Bio­lehrer ist ja kein Fach­mann auf die­sem Ge­biet. Aber er in­ter­es­siert sich für so etwas, und da bekommt er manch­mal das Grausen.

Zum Quartalsende im Herbst gab es für die neuen 5. Klassen Kon­fe­ren­zen. Jeder Schüler wurde be­spro­chen (übri­gens eine in mei­nen Augen sehr hilf­rei­che und sinn­volle An­ge­le­gen­heit), und vorab soll­te je­der Lehrer den der­zei­ti­gen (vor­läu­fi­gen) No­ten­stand kund­tun. Die Noten haben die Klas­sen­lehrer vor­her ge­sam­melt und auf­be­rei­tet und woll­ten da­her auch recht­zei­tig die Noten ha­ben. Der üb­li­che Weg ist ja „das Fach“, die uni­ver­selle Kom­mu­ni­ka­tions- und Ma­te­rial­über­ga­be-Ein­rich­tung im Lehrer­zim­mer. Ei­ni­ge Tage vor der Kon­fe­renz hat­te also jeder in den 5. Klas­sen un­ter­rich­tende Lehrer eine Liste mit der Bit­te um No­ten­ein­trag und Rück­ga­be in seinem Fach liegen.
Dabei gab es kleine Un­klar­hei­ten und Pan­nen, und zwei der Klas­sen­lehrer frag­ten bei mir am Abend vor­her per E-Mail nach, ob ich ihnen die No­ten­li­ste noch ein­mal schnell per E-Mail schicken könne. Kein Pro­blem, teilt mir kurz Eu­ren öf­fent­li­chen PGP/GnuPG-Schlüs­sel mit. So et­was hat­ten die Kol­le­gen nicht, sahen es auch nicht als not­wen­dig an. Hallo? Ich soll per­sön­li­che und sen­si­ble Daten der Schüler offen wie eine Post­karte durch’s Netz schicken?

(Wie so etwas in Hessen gehandhabt wird: Beitrag von Herrn Rau sowie Hinweise im „Pädagogischen Untergrund“.)

Die zwei Uralt-PC im Leh­rer­zim­mer hatte ich ja ge­stern schon er­wähnt. Als nun zum Halb­jah­res­ende die No­ten­ein­gabe für die Zeug­nis­se an­stand, ka­men wir damit nicht mehr ins Netz. Als ich ‘mal nach­fragte warum nicht, ant­wor­tete man mir: „Wegen der Hacker unter den Schülern.“
Die Kollegen hat­ten also ernst­haft Angst, daß fin­di­ge Schüler ins System ein­drin­gen könn­ten und die No­ten vor­ab aus­spä­hen und ggf. än­dern könn­ten. Gleich­zei­tig be­stand aber auch die Mög­lich­keit (weil die beiden Rech­ner ge­gen Ende der Zeit ja star­kem An­drang aus­ge­setzt waren), die No­ten­li­sten zu­hau­se in die Datei ein­zu­ge­ben und diese dann per E-Mail zu­rück­zu­schicken. Die Da­tei­en und das da­zu­ge­hö­ri­ge Da­ten­bank­pro­gramm wurden per E-Mail an alle Lehrer ver­schickt. Ich bin übri­gens der einzige im E-Mail-Ver­tei­ler mit ei­ge­ner Do­main-Adres­se; alle an­de­ren, selbst der Schul­leiter, haben Adres­sen bei Free­mailern wie z. B. GMX. Weder gibt es für die Lehrer eine dienstliche E-Mail-Adresse mit der schul­ei­ge­nen Do­main (eine ei­ge­ne Do­main für ihre Web­site hat die Schule näm­lich), noch gibt es eine Mög­lich­keit, diese Daten ver­schlüs­selt zu senden.
Das paßt alles nicht zusammen; und am mekwürdigsten fand ich, daß die Lehrer selbst nach mei­nem Hin­weis nicht ein­se­hen woll­ten, daß da ein­sei­ti­ge Vor­sichts­maß­nah­men be­trie­ben wur­den.

Und noch eine Anekdote:
Im Lehrer­zimmer steht ein neuer Pan­zer­schrank für Lap­tops und anderes teu­res IT-Zeugs für Un­ter­richts­zwecke. In der Leh­rer­kon­fe­renz stellte der zu­stän­di­ge Kol­le­ge den Schrank vor und teilte die Zah­len­kom­bi­na­tion für das Si­cher­heits­schloß mit. „Diese Kom­bi­na­tion ist ein­fach zu mer­ken; sie wird nir­gend­wo auf­ge­schrie­ben!“ mahnte er.
Einge Tage drauf fand ich in mei­nem Fach das Pro­to­koll der Kon­fe­renz. Unter dem TOP „Neuer Sicher­heits­schrank im Lehrer­zimmer“ hatte der proto­kol­lieren­de Kol­le­ge auch ganz or­dent­lich die Kom­bi­na­tion auf­ge­führt. Der Brüller kam dann bei der näch­sten Kon­fe­renz, als die­ses Pro­to­koll kri­ti­siert wurde. Da führte der Schul­lei­ter doch glatt das Kon­fe­renz­ge­heim­nis an.

Es gibt mehrere „Me­dien­ein­hei­ten“ an der Schule: kom­pakte Wa­gen mit Lap­top und Beamer, die man in die Un­ter­richt­sräume rollen kann, um dort damit etwas vor­zu­füh­ren. Ich führe damit z. B. Filme vor. Als ich kürz­lich in der 9. Klasse einen Film ge­zeigt habe und mich beim System­start an­mel­den mußte, be­merk­te ein Schüler:

Das Kennwort ist bestimmt „Lehrer“ oder „[Benutzername]“.

Er hatte recht. Es ist der Be­nut­zer­na­me.

Da ich noch ‘mal in meinem ur­sprüng­li­chen Be­ruf et­was ge­stemmt habe, war ich die letz­te Zeit sehr ein­ge­spannt und habe auch einen Tag in der Schule ge­fehlt. Na­türlich nicht, ohne recht­zei­tig Son­der­urlaub zu be­an­tra­gen und auch für die mich ver­tre­ten­den Lehrer et­was vor­zu­be­rei­ten. Da ich an die­sem Tag sechs Stun­den Un­ter­richt ge­habt hätte, war das nicht wenig; und ich mußte fest­stel­len, daß die Vor­be­rei­tung für die Ver­tre­tung mich mehr Zeit ko­ste­te als die Vor­be­rei­tung meines ei­ge­nen Un­ter­richts. Auch ein Ar­beits­blatt will durch­dacht sein, wenn es zu meiner Un­ter­richts­reihe passen und nicht bloße Be­schäf­ti­gungs­the­ra­pie sein soll.

Für vier der sechs Stunden hatte ich dann also bis zum Tag vor meiner Ab­we­sen­heit et­was vor­be­rei­tet und auch den Ver­tre­tungs­lehrern schon mit­ge­ge­ben (die stan­den glück­li­cher­wei­se früh­zei­tig fest). Für zwei Stun­den, die ich eine Klasse in mei­nem zwei­ten Fach un­ter­richte, fiel mir je­doch nichts An­stän­di­ges ein, weil ich da ge­ra­de das eine Thema ab­ge­schlos­sen und das neue noch nicht be­gon­nen habe.
Ich fragte also den er­sten Kol­le­gen, ob es zu­mut­bar sei, daß er sich selbst et­was aus­denke, was er mit der Klas­se ma­chen wol­le. Kein Pro­blem, das war zum Glück un­kom­pli­ziert. Der zwei­te Kol­le­ge zierte sich. Er habe die Klasse sonst nicht, kenne nur drei Schüler da­raus und habe auch nichts pas­sen­des. Ich sagte also zu, mir noch etwas aus­zu­den­ken, setzte mich zu­hau­se noch ein­mal an die Ar­beit und ent­warf ein Auf­ga­ben­schema, mit dem das The­ma der letz­ten Wo­chen noch ein­mal wie­der­holt und über­prüft wurde. Ich schickte es dem Kol­le­gen spät­abends noch per E-Mail zu und hatte das be­ru­hi­gen­de Ge­fühl, trotz al­lem Stress noch mei­nen Pflich­ten nach­ge­kom­men zu sein.
Am näch­sten Nach­mittag, als ich aus der Uni­ver­si­tät zu­rück war, er­hielt ich dann eine E-Mail des Kol­le­gen: Er hat­te meine Auf­ga­ben-Mail ge­ra­de erst ge­se­hen; das sei nun schief­ge­gan­gen, er habe der Klas­se ein­fach et­was dik­tiert.

Warum frustriert mich das so?
Ich habe (mir sehr kost­bare!) Zeit und Kraft ge­opfert, um noch et­was Sinn­vol­les zu ar­ran­gie­ren; daß der Kol­le­ge noch Auf­ga­ben von mir be­kom­men wür­de, war ab­ge­spro­chen — und dann eine to­ta­le Nulleistung für die Klasse, weil das E-Mail-Post­fach nicht mehr kon­trol­liert wurde.
Ganz anders an der Uni­ver­si­tät, wo ich an dem Tag ei­nen Vor­trag hal­ten soll­te. Diesen Vor­trag hatte ich dem Pro­fes­sor morgens um neun Uhr ge­mailt, und als ich kurz nach elf bei ihm an­kam, hatte er ihn schon durch­ge­se­hen. An der Uni­ver­si­tät be­ginnt ein Ar­beits­tag meist mit der Kon­trol­le des Post­fa­ches. Daß dies der Leh­rer-Kol­le­ge an der Schule nicht tat, kann ich ihm nicht vor­wer­fen. Ich kon­trol­liere mor­gens früh vor dem Weg zum Bahn­hof meine Mails ja auch nicht; und mor­gens in der Schule erst recht nicht. Es ist ja mehr oder we­ni­ger so, daß man an der Schule ei­gent­lich gar kei­nen Ar­beits­platz hat! Man ist dort an­ge­stellt, hat also eine Ar­beits­stelle, aber ein rich­ti­ger Ar­beits­platz fehlt. Diese end­lo­sen Dis­kus­sio­nen um die steu­er­li­che Stel­lung des häus­li­chen Ar­beits­zim­mers sind doch ein schlech­ter Witz: die Re­ge­lung wäre doch auch bei vol­ler Ab­setz­bar­keit eine ein­zi­ge Zu­mu­tung. Wa­rum muß man über­haupt zu­hau­se ar­bei­ten? Wa­rum muß ich sen­si­ble Un­ter­la­gen und Daten quer durch die Ge­gend zu mir nach Hau­se und wie­der an die Ar­beits­stelle trans­por­tie­ren? Ich mag diesen nach­läs­si­gen Um­gang mit frem­den Da­ten nicht. Wenn ich nach Hau­se kom­me, möch­te ich dort privat sein und nicht noch ar­bei­ten müs­sen; ich bin kein Schü­ler und kein Stu­dent mehr. Selbst un­se­re Schü­ler wer­den der­zeit nach und nach auf den Ganz­tags­be­trieb um­ge­stellt; und es soll von ihnen nur noch wenig zu­hau­se ge­macht wer­den.
Ich stelle immer wieder fest, daß ei­ni­ge Leh­rer ihre Kor­rek­tu­ren im Leh­rer­zim­mer er­le­di­gen. Auch ich be­rei­te mich lie­ber in der Schule vor, wo ich das Ma­te­rial zur Hand habe. Auch kor­ri­gie­re ich lie­ber in der Schu­le, damit ich die gan­zen Un­ter­la­gen nicht im­mer hin und her trans­por­tieren muß. Im Leh­rer­zim­mer ist das aber im­mer et­was schwie­rig. Dort feh­len mir auch wei­te­re Un­ter­la­gen, Li­te­ra­tur, … und — ein an­stän­di­ger Com­pu­ter (da bin ich auch gar nicht so an­spruchs­voll) mit In­ter­net-An­schluß.

Im Lehrer­zim­mer stehen zwei Com­pu­ter, zwei „echte“ Desk­top-Rech­ner im ur­sprüng­li­chen Sinne (also kein Tower auf dem Boden, son­dern ein sur­ren­der Kasten auf dem Schreib­tisch, auf dem dann noch der alte flackernde Röhren-Mo­ni­tor platziert ist). Als ich auf der Rück­seite der Ge­räte nach einem USB-An­schluß für meinen Stick suchte, ent­deckte ich einen alten In­ven­tar-Auf­kle­ber: „Eigentum Poli­zei­präsi­dium [Name der Großstadt]. Zwei uralte PC für 70 Lehrer sind et­was mager. Als nun jetzt die Noten für die Zeug­nis­se ein­ge­ge­ben wer­den mußten, waren die beiden Rechner erstens stän­dig be­legt und zwei­tens für zwei Wo­chen kom­plett vom In­ter­net ge­trennt.
Einige Lehrer kämpfen darum, je einen Ruhe- und einen Ar­beits­raum für die Lehrer ein­rich­ten zu kön­nen. Das wird vom gan­zen Kol­le­gium und der Schul­lei­tung un­ter­stützt; aber es mangelt an Räumen. Außer­dem glaube ich, daß sich noch nie­mand Ge­dan­ken da­rum gemacht hat, wie die Ein­rich­tung dieser Räume fi­nan­ziert wer­den soll.

Dieser eine Tag „Aus­flug“ in meinen ur­sprüng­lichen Beruf hat mir nach­träg­lich einigen Frust an der Schule be­reitet. Ei­gentlich mag ich mei­ne neue Tätig­keit. Ich bringe Leuten (auch kleinen und un­rei­fen) gerne et­was bei. Die häu­fi­gen Klagen über die be­son­dere Be­la­stung von Lehrern mag ich bisher nicht teilen; vieles davon scheint mir spe­ziell von den kli­schee­bil­den­den Kol­le­gen in die Welt ge­setzt wor­den zu sein, bei denen ich oft denke, daß sie so­wie­so ihren Be­ruf ver­fehlt haben. Man kann darüber nach­denken, in­wie­fern dies bei mir der Fall ist. Ich war mit Leib und See­le Bio­lo­ge und habe den Schul­dienst als sinn­volle Al­ter­na­tive an­ge­sichts eines schwie­rigen Ar­beits­mark­tes ge­se­hen. Ich bin dabei fach­lich mög­li­cher­weise zu hoch qua­li­fi­ziert, in di­dak­tisch-pä­da­go­gi­scher Hin­sicht da­ge­gen man­gel­haft bis gar nicht aus­ge­bil­det. Da­rü­ber will ich mich gar nicht so be­schwe­ren; aber es ist ei­gent­lich be­denk­lich, und es zeigt wieder ein­mal, wel­chen Stel­len­wert seitens der Ver­ant­wort­li­chen (also der Politiker) dem Schul­we­sen und einer an­stän­di­gen Bil­dung bei­ge­mes­sen werden.
Wenn ich mir das Gehalt ansehe, welches ein „richtiger“, also aus­ge­bil­de­ter Leh­rer be­kommt, welches ich als Bio­lo­ge be­kom­men wür­de, und was ich nun an der Schule be­kom­me, dann stimmt das alles eben auch nicht und zeigt, warum das so gehandhabt wird.

Ja, ich bin etwas frustriert. Nein, ich werde mit meinem Blog-Eintrag daran nichts ändern können. Aber es wird Zeit, immer wieder und mög­lichst oft den Finger in die Wunde zu legen. Unser Land wird seit ei­ni­gen Jahren sy­ste­ma­tisch vor die Wand ge­fah­ren. Und es wird Zeit, daß man die Augen öffnet.

Unser Fach­be­reich Bio­lo­gie an der Schule hat einen Jahres­etat von EUR 900,–. Ich habe kürz­lich unserem Fach­vor­sitzen­dem EUR 140,– für ein Testkit für Schüler­ver­su­che aus dem Kreuz ge­lei­ert. Ich fand es gut, daß er mit­ge­spielt hat. Ich fand es er­schreckend, wie be­grenzt unser Etat ist. Und ich fand es noch er­schreckender, daß ein in der Großstadt an­säs­siges Che­mie-Un­ter­neh­men die Schule jähr­lich mit einem min­de­stens fünf­stel­li­gen Be­trag für Ma­te­rial spon­sort. Unabhängige Schule? Un­ab­hän­gi­ge Bil­dung?

Passend zum Thema auch dieser Beitrag vom Teacher aus Öster­reich.

Daß er trotz Frust auch wei­ter­hin ger­ne un­ter­rich­tet, da­ran zwei­felt nicht im ge­ring­sten,

Ihr Herr Biolehrer

Zum Wochenende (XIII)

23. Januar 2010

Disziplin (IV)

23. Januar 2010

Während der all­monat­lichen Lehrer­konfe­renz ist es sehr un­ruhig. Im­mer wie­der fan­gen ein­zel­ne Grüpp­chen von Leh­rern an, mit­ein­an­der zu reden, zu tu­scheln und sich über die­ses und je­nes zu er­ei­fern. Im­mer wie­der mahnt der Schul­leiter zur Ruhe.
Be­son­ders viel bringen seine Bit­ten und Mah­nun­gen nicht. Bis daß er rich­tig aus­ra­stet und eine (sehr) lau­te und emo­tio­nale Stand­pau­ke hält. Ab da ist es dann ei­ni­ger­maßen ru­hig im Kol­le­gium.
Ich komme mir vor wie in einer Schul­klas­se.

Macht ‘mal …

20. Januar 2010

Eine Schlagzeile in der Lokalausgabe einer Boulevard-Zeitung in der Großstadt:

Wir machen [Name der Großstadt] zur Schönstadt!

Arbeitsauftrag

19. Januar 2010

Die Zeugnis­kon­fe­renz naht, und die Klas­sen­leh­rer sind da­bei, mit­hilfe des Klas­sen­bu­ches Ver­säum­nis­se und Fehl­stun­den zu be­rech­nen.
Etwas, ähm …, kreativ fand ich die Lö­sung ei­nes Kol­le­gen, da­mit eine Fünft­kläßle­rin zu be­auf­tra­gen. Sie soll­te das ‘mal so ne­ben­bei im Un­ter­richt ma­chen. Das ar­me Mäd­chen saß dann bei mir in der Stun­de und ent­zif­fer­te müh­sam die Ein­trä­ge und rech­ne­te die Zei­ten zu­sam­men.
Ich fand das eine et­was un­an­ge­mes­se­ne Auf­gabe.