Disziplin (III)

13. November 2009

Wenn ich mir meine Beiträge hier so durchlese, bekomme ich manch­mal den Eindruck, etwas dick auf­zu­tragen und an­zu­geben. Ich weiß nicht, wie dies meine Leser em­pfin­den. Um hier ein evtl. falsch ver­mit­tel­tes Bild ge­ra­de­zu­rücken: Nur die Mehr­zahl der von mir unter­rich­te­ten Klas­sen habe ich „gut im Griff“, und auch das nicht wirk­lich streng und auch nicht beson­ders ruhig. Es ist bei mir im Un­ter­richt ei­gent­lich selten wirklich ruhig, und ich las­se auch so ei­ni­ges durch­ge­hen; aber es ist nach mei­nem Em­pfin­den gu­ter Un­ter­richt mach­bar. Ich bin wohl nicht wirk­lich der Typ da­für, den har­ten Hund zu spie­len; und das mer­ken die Schü­ler auch. Ich halte auch nicht viel da­von, durch schi­ka­nö­se und au­tori­ta­tive Maß­nah­men eine zwar ru­hige aber un­an­ge­neh­me At­mo­sphäre zu schaf­fen. Wenn es sein muß, packe ich den Knüp­pel aus, und an­son­sten be­mü­he ich mich um gu­ten Un­ter­richt, was ge­ra­de in den un­ruhi­gen Klas­sen nicht sel­ten da­zu führt, daß die Schü­ler selbst Ruhe wün­schen. Dann sind ord­nungs­stif­ten­de Maß­nah­men zwar nicht ver­meid­bar, aber tref­fen ge­ne­rell auf große Ak­zep­tanz.
Es ist deut­lich zu spü­ren, daß re­la­tiv viele Schü­ler (vor allem in den 5. und 6. Klas­sen) ziem­lich ge­stört sind und wirk­lich nicht still und auf­merk­sam sein kön­nen, selbst wenn sie es wol­len(!). Wenn sie dabei nicht bös­artig sind, tun mir solche Schü­ler dann im­mer ir­gend­wie leid. Um­ge­kehrt bin ich über die ver­schla­ge­ne­ren und ver­lo­ge­nen unter ihnen wirklich sehr ver­ärgert.
Die eine 6. Klasse, mit der ich anfangs große Pro­ble­me hatte, gilt ge­ne­rell im Kol­le­gium als „sehr leb­haft“, aber wir kom­men in­zwi­schen sehr gut mit­ein­an­der aus (wenn ich ehr­lich bin, habe ich sie von An­fang an sehr ger­ne ge­habt, und wie ich kürz­lich er­fuhr, mö­gen sie mich und mei­nen Un­ter­richt in­zwi­schen auch), und der Un­ter­richt läuft dort zwar un­ru­hig aber er­folg­reich.

Lediglich die eine 8. Klasse, die ich nach einem schlech­ten Start dann zu­nächst doch als Er­folg ver­bucht hat­te, be­rei­tet mir in­zwi­schen größtes Kopfzerbrechen. Mit ihr läuft es der­zeit ganz mies. Es wäre ein großer Feh­ler, dies nur den Schü­lern in die Schuhe schie­ben zu wol­len. Ich habe mir Hilfe bei der Schul­leitung und dem Klas­sen­lehrer holen wol­len, und habe da­bei er­fah­ren, daß ein Groß­teil der in die­ser Klas­se un­ter­rich­ten­den Kol­le­gen Pro­ble­me mit dieser Klas­se hat. Mit die­sem Er­geb­nis hätte ich mich erst einmal beruhigt zurückl­ehnen kön­nen. Daß ich dies nicht mache, hat drei wich­ti­ge Grün­de: Er­stens ist au­gen­blick­lich kein ver­nünf­ti­ger Un­ter­richt mög­lich. Ich schaff­e die Haus­auf­ga­ben­be­spre­chung und Stoff für viel­leicht 15 Mi­nu­ten, und zwar wäh­rend ei­ner Dop­pel­stun­de. Das ist un­halt­bar. Ich bin auch den we­ni­gen nicht stö­ren­den Schü­lern ihre Bil­dung schul­dig. Zweitens würde es meine Situation nur noch verschlimmern, wenn es den Kol­le­gen gelingt, die Klasse zur Ord­nung zu bringen, mir aber nicht. Von al­lei­ne oder auf­grund des Er­fol­ges an­de­rer Leh­rer werden die in mei­nem Un­ter­richt kein bißchen ru­hi­ger und auf­merk­samer werden. Wir müssen hier alle an ei­nem Strang ziehen, damit jeder ein­zel­ne wieder et­was Ruhe in seinem Un­ter­richt hat, für die er aber selbst ver­ant­wort­lich ist. Drit­tens ging es zwi­schen­zeit­lich gut mit der Klas­se, und zwar an­fangs, nach­dem ich ‘mal et­was här­ter auf­ge­tre­ten bin. Da war dann zu spü­ren, daß die­se Klas­se deut­lich mehr lei­sten kann als ihre ru­hi­ge­re Pa­ral­lel­klas­se. Das war dann spä­ter nicht mehr so, ei­ni­ge Miß­ge­schicke mei­ner­seits haben dann ver­mut­lich die Au­to­ri­tät untergraben.
Nachdem ich es nun einige Zeit im Guten und mit Ap­pel­len an die Ver­nunft ver­sucht habe, bin ich kläg­lich ge­schei­tert. In Ab­spra­che mit dem (eben­falls eher hilf­lo­sen) Klas­sen­lehrer wer­de ich da jetzt deut­lich här­te­re Töne an­schla­gen. Da bin ich nicht der Typ für; aber es muß sein. Außer­dem muß ich den Un­ter­richt noch bes­ser und in­ten­si­ver vor­be­rei­ten. Hof­fen wir das beste.

Eine Antwort zu “Disziplin (III)”

  1. [...] das wer­de ich ‘mal stär­ker an­ge­hen. Es kam sogar eine Mutter aus der sehr pro­ble­ma­ti­schen 8. Klas­se. Das fand ich dann ‘mal gut. Leider kön­nen weder sie noch ihr (ru­hi­ger) [...]

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