Sozialverhalten (IV)

14. Dezember 2009

Wie schon berichtet, muß ich in der von mir an­ge­bo­te­nen AG Fünft- und Acht­kläßler ge­mein­sam be­treu­en. Ob­wohl das schwie­rig ist, möch­te ich da­ran jetzt nichts mehr än­dern. An­fangs — und das mag an mei­ner Über­for­de­rung ge­le­gen ha­ben — hat­te ich ins­ge­heim ge­hofft, daß die Acht­kläßler die Lust da­ran ver­lie­ren, mit den Klei­nen zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, und der AG nach und nach fern­blei­ben. In­zwi­schen freue ich mich, daß aus­ge­rech­net ei­ni­ge Rü­pel aus der Pro­blem­klas­se an mei­ner AG teil­neh­men. Ich habe nicht die lei­se­ste Ah­nung, was sie da­zu be­wegt hat, da­ran teil­zu­neh­men. Ist es ehr­li­ches In­ter­es­se an dem The­ma? Ha­ben sie ein schlech­tes Ge­wis­sen we­gen ih­res Ver­hal­tens im Un­ter­richt? Möch­ten sie dies­be­züg­lich ir­gend­et­was wie­der gut ma­chen, ent­we­der im Hin­blick auf ihre Be­no­tung oder gar mich be­tref­fend? Oder ist ein­fach sonst die Mit­tags­pau­se zu lang­wei­lig, und meine AG bie­tet eine we­ni­ger lang­wei­li­ge Ab­wechs­lung? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß ich mich in­zwi­schen da­rü­ber freue, daß sie da sind.
Ich lerne sie da­durch auch von ei­ner an­de­ren Sei­te ken­nen, sie kön­nen sich un­ge­zwun­gen an ei­ner gu­ten Sa­che be­tei­li­gen, ich kann für ei­ni­ge Auf­ga­ben ih­re un­bän­di­ge Kraft gut ge­brau­chen, und schließ­lich den­ke ich auch, daß so­wohl Fünft- als auch Acht­kläßlern der ge­gen­sei­ti­ge nä­he­re Kon­takt gut tut. Ganz lang­sam be­gin­nen sich die bei­den Grup­pen zu lö­sen und im gu­ten Sin­ne wahr­zu­neh­men.

Kürzlich be­nö­tig­ten wir zwecks Be­sei­ti­gung größe­rer Ab­fall­men­gen ei­nen der großen Müll­con­tai­ner vom an­de­ren Schul­hof. Ich schick­te drei star­ke Jun­gen aus der 8. Klas­se los, sie zu ho­len. Ist für sie auch in­ter­es­sant: Sie be­kom­men vom Haus­mei­ster ei­nen Schlüs­sel und ler­nen, wie das bei den großen Con­tai­nern so geht mit dem Lö­sen der Brem­se usw. Ist viel cooler als die klei­nen Müll­ton­nen beim Hof­dienst, und an den schwe­ren Con­tai­nern kann man sei­ne Kraft be­wei­sen. Die drei zo­gen al­so los, und ich wun­der­te mich, daß eine klei­ne Fünft­kläß­le­rin ein­dring­lich da­rum bet­tel­te, auch mit­ge­hen zu dür­fen. Es gab dort wirk­lich nichts für sie zu tun, und ob es ei­ne gu­te Idee ist, sie un­be­auf­sich­tigt zwi­schen den schwe­ren Con­tai­nern he­rum­lau­fen zu las­sen? Als ich es ihr schließ­lich doch er­laub­te, hüpf­te sie den drei Jun­gen freu­dig hin­ter­her. Wa­rum nicht, wenn es ihr so viel Freu­de macht?
Wirklich schmunzeln mußte ich aber, als die vier zu­rück­ka­men. Es war ja Mit­tags­pau­se, und auf dem Hof be­fan­den sich noch ei­ni­ge Schü­ler. Durch die­se hin­durch bahn­ten sich nun die drei Jun­gen mit dem großen Con­tai­ner den Weg, und oben drauf saß eine klei­ne Prin­zes­sin aus der 5. Klas­se, die Fahrt und die ihr zu­teil wer­den­de Auf­merk­sam­keit sicht­lich ge­nießend.

2 Antworten zu “Sozialverhalten (IV)”

  1. [...] das jetzt ist. Viel­leicht ein sehr jun­ger und sehr ka­put­ter Schnecken­egel? Die Prin­zes­sin des Müll­con­tai­ners ist je­den­falls glück­lich über ih­ren Flub­ber­wurm. Wir [...]

  2. [...] Ge­fühl, so hoch ge­klet­tert zu sein. Ganz be­gei­stert stieg die „Prin­zes­sin des Müll­con­tai­ners“ die Leiter hoch. Mein Vater läßt mich nie Leitern [...]

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