IT und Datensicherheit an der Schule
30. Januar 2010
Weil ich gestern das Thema schon angeschnitten habe, nun noch etwas ausführlicher dazu. Der Herr Biolehrer ist ja kein Fachmann auf diesem Gebiet. Aber er interessiert sich für so etwas, und da bekommt er manchmal das Grausen.
Zum Quartalsende im Herbst gab es für die neuen 5. Klassen Konferenzen. Jeder Schüler wurde besprochen (übrigens eine in meinen Augen sehr hilfreiche und sinnvolle Angelegenheit), und vorab sollte jeder Lehrer den derzeitigen (vorläufigen) Notenstand kundtun. Die Noten haben die Klassenlehrer vorher gesammelt und aufbereitet und wollten daher auch rechtzeitig die Noten haben. Der übliche Weg ist ja „das Fach“, die universelle Kommunikations- und Materialübergabe-Einrichtung im Lehrerzimmer. Einige Tage vor der Konferenz hatte also jeder in den 5. Klassen unterrichtende Lehrer eine Liste mit der Bitte um Noteneintrag und Rückgabe in seinem Fach liegen.
Dabei gab es kleine Unklarheiten und Pannen, und zwei der Klassenlehrer fragten bei mir am Abend vorher per E-Mail nach, ob ich ihnen die Notenliste noch einmal schnell per E-Mail schicken könne. Kein Problem, teilt mir kurz Euren öffentlichen PGP/GnuPG-Schlüssel mit. So etwas hatten die Kollegen nicht, sahen es auch nicht als notwendig an. Hallo? Ich soll persönliche und sensible Daten der Schüler offen wie eine Postkarte durch’s Netz schicken?
(Wie so etwas in Hessen gehandhabt wird: Beitrag von Herrn Rau sowie Hinweise im „Pädagogischen Untergrund“.)
Die zwei Uralt-PC im Lehrerzimmer hatte ich ja gestern schon erwähnt. Als nun zum Halbjahresende die Noteneingabe für die Zeugnisse anstand, kamen wir damit nicht mehr ins Netz. Als ich ‘mal nachfragte warum nicht, antwortete man mir: „Wegen der Hacker unter den Schülern.“
Die Kollegen hatten also ernsthaft Angst, daß findige Schüler ins System eindringen könnten und die Noten vorab ausspähen und ggf. ändern könnten. Gleichzeitig bestand aber auch die Möglichkeit (weil die beiden Rechner gegen Ende der Zeit ja starkem Andrang ausgesetzt waren), die Notenlisten zuhause in die Datei einzugeben und diese dann per E-Mail zurückzuschicken. Die Dateien und das dazugehörige Datenbankprogramm wurden per E-Mail an alle Lehrer verschickt. Ich bin übrigens der einzige im E-Mail-Verteiler mit eigener Domain-Adresse; alle anderen, selbst der Schulleiter, haben Adressen bei Freemailern wie z. B. GMX. Weder gibt es für die Lehrer eine dienstliche E-Mail-Adresse mit der schuleigenen Domain (eine eigene Domain für ihre Website hat die Schule nämlich), noch gibt es eine Möglichkeit, diese Daten verschlüsselt zu senden.
Das paßt alles nicht zusammen; und am mekwürdigsten fand ich, daß die Lehrer selbst nach meinem Hinweis nicht einsehen wollten, daß da einseitige Vorsichtsmaßnahmen betrieben wurden.
Und noch eine Anekdote:
Im Lehrerzimmer steht ein neuer Panzerschrank für Laptops und anderes teures IT-Zeugs für Unterrichtszwecke. In der Lehrerkonferenz stellte der zuständige Kollege den Schrank vor und teilte die Zahlenkombination für das Sicherheitsschloß mit. „Diese Kombination ist einfach zu merken; sie wird nirgendwo aufgeschrieben!“ mahnte er.
Einge Tage drauf fand ich in meinem Fach das Protokoll der Konferenz. Unter dem TOP „Neuer Sicherheitsschrank im Lehrerzimmer“ hatte der protokollierende Kollege auch ganz ordentlich die Kombination aufgeführt. Der Brüller kam dann bei der nächsten Konferenz, als dieses Protokoll kritisiert wurde. Da führte der Schulleiter doch glatt das Konferenzgeheimnis an.
Es gibt mehrere „Medieneinheiten“ an der Schule: kompakte Wagen mit Laptop und Beamer, die man in die Unterrichtsräume rollen kann, um dort damit etwas vorzuführen. Ich führe damit z. B. Filme vor. Als ich kürzlich in der 9. Klasse einen Film gezeigt habe und mich beim Systemstart anmelden mußte, bemerkte ein Schüler:
Das Kennwort ist bestimmt „Lehrer“ oder „[Benutzername]“.
Er hatte recht. Es ist der Benutzername.
Hallo Herr Biologielehrer,
“Kein Problem, teilt mir kurz Euren öffentlichen PGP/GnuPG-Schlüssel mit. So etwas hatten die Kollegen nicht, sahen es auch nicht als notwendig an.”
Das ist ja noch durchaus positiv, denn wenn ich mal schätzen müsste: 90% meiner KuK wissen nicht einmal, dass man E-Mails verschlüsseln kann.
[...] März 2010 Zu meinem ersten Beitrag zum Thema gibt es eine Ergänzung: Es gibt nun „von oben“ eine Anweisung, [...]