IT an der Schule: Weitere Beobachtungen
6. Februar 2010
Als Ergänzung zum Beitrag IT und Datensicherheit an der Schule gibt es ein paar weitere Beobachtungen.
Zum Halbjahresbeginn gab es einen Lernmethodik-Tag, an dem den Schülern etwas Methodik beigebracht werden sollte. Mir wurde eine Gruppe aus der 12. Stufe zugeteilt, deren Auftrag darin bestand, einen Wikipedia-Artikel zu verfassen. Dazu gehörte auch die entsprechende Recherche über die Anforderungen an einen solchen Artikel, das Heranziehen und Anführen geeigneter Quellen usw.
An sich eine gute und gerade auch im Hinblick auf die Methodik sinnvolle Aufgabenstellung. Für die Praxis taten sich schon bei meinen Vorüberlegungen einige Fragen auf: Welches Thema ist denn noch nicht in der Wikipedia behandelt, so daß man dazu noch (außerhalb der Wikipedia) Recherche betreiben kann? Weiterhin sinkt die Motivation ja auch gewaltig, wenn es einen Artikel zu dem Thema bereits gibt. Als mögliches Thema nannte mir der Organisator des Lernmethodik-Tages einen Artikel über die Schule selbst, die sei bisher nicht in Wikipedia vertreten. Naja, dachte ich; Adminpedia und die berüchtigten Löschdiskussionen um Relevanz … Mehr als diesen Auftrag und den Tip mit dem Artikel über die Schule bekam ich nicht.
Während die Lehrer für alle anderen Klassenstufen detaillierte schriftliche Arbeitsaufträge und für ihre Schüler kopierte Arbeits- und Anleitungsblätter erhielten, gingen wir vier Kollegen, die die 12. Stufe und den Wikipedia-Auftrag hatten, leer aus. Das sorgte bereits für Frust bei uns Lehrern und infolgedessen auch bei den Schülern der 12. Stufe.
Die Laune wurde nicht besser, als wir feststellten, daß die uns zugewiesenen Räume über keinen einzigen Computer verfügten. Wie hat sich der Organisator dieses Tages das eigentlich vorgestellt? Ich holte mir dann im Sekretariat einen Schlüssel für den Informatikraum und ging mit den Schülern dorthin. Auf diese Idee kam noch ein anderer Kollege. Zusammen versuchten wir dort dann, dem Arbeitsauftrag ein bißchen Struktur zu geben.
Es drängt sich mir der Eindruck auf, daß dieses Thema in seiner Nicht-Vorbereitung auch von einer falschen und blauäugigen Einstellung zum Thema Internet geprägt war. Warum war ausgerechnet dieses Thema als einziges nicht detailliert vorbereitet und ausgearbeitet worden? Mit dem Thema an sich kann man einen sehr erfolgreichen Lernmethodik-Tag bestreiten; es muß nur erstens entsprechend vorbereitet sein und zweitens auch die zur Verfügung stehende Infrastruktur (Computerzugang, Bibliotheken usw.) berücksichtigt werden. Gerade im Hinblick auf Bücher und Zeitschriften sahen die Recherche-Möglichkeiten noch düsterer aus.
Was die Infrastruktur angeht, war ich übrigens froh, daß der Kollege auf die gleiche Idee gekommen war, den Informatikraum zu nutzen. Er unterrichtet auch Informatik und kannte die Einrichtung. Ich hatte den Schülern lediglich den Raum aufgeschlossen und sie an die Rechner gelassen (das ist ja irgendwie auch schon wieder eine merkwürdige Sache, daß das so einfach möglich ist ohne eine vorherige Einweisung). Der Kollege zeigte mir, daß es ein Programm gibt, mit dem man vom Lehrer-Rechner aus die Aktivitäten auf den Schüler-Rechnern beobachten kann. Das war dann auch durchaus angebracht. Zwei Schüler spielten Counterstrike, während die anderen recherchierten. Das hat der Kollege dann dokumentiert und unterbunden.
Als ich später mit dem Chef-Informatiklehrer darüber sprach, war dieser sehr erbost, daß wir die Delinquenten nicht gleich zum Schulleiter geschickt hatten. Gerade Counterstrike und ähnliche Spiele würden sehr viel strenger geahndet als z. B. Schach oder Tetris. Dies geschehe im Hinblick auf Amokläufe und Killerspiel-Diskussionen. Hmm. Naja. Das ist in meinen Augen eine ganz andere Baustelle; und ob man damit auf diese Art umgehen soll, das weiß ich auch nicht. Ich fand es eigentlich viel gravierender, daß die Schüler die Spieldateien auf dem Schulserver abgelegt hatten und von dort starteten.
Wie auch immer: Es zeigte sich, daß es da sowohl in technischer als auch in pädagogischer Hinsicht große Schwachstellen im System gibt. Warum ist es überhaupt möglich, daß die Schüler Programme auf dem Schulserver ablegen können? Wenn es entsprechend strenge Richtlinien gibt, wie mit „Killerspielern“ verfahren werden soll, warum wissen das nicht zumindest alle Informatiklehrer?
Umgekehrt konnten die Schüler von den Schulrechnern aus keine Wikipedia-Beiträge erstellen oder editieren. Die IP der Schule war seitens Wikipedia komplett geblockt. Vermutlich ist der Adreßbereich sehr vieler Schulen bei Wikipedia geblockt. Einige Schüler griffen dann per Handy auf Wikipedia zu (zwecks Recherche hatte mein Kollege Handys zugelassen; sind sonst an der Schule untersagt). Der eingestellte Artikel zu einem Jux-Thema wurde innerhalb von Minuten gelöscht; auf Stupipedia hatte er dann erst einmal Bestand.
Ach so, Wikipedia-Bashing: Es gibt doch bereits einen Artikel zu unserer Schule auf Wikipedia. Er ist etwas mager, aber was ich interessanter fand, war der Umstand, daß es dazu tatsächlich bereits eine Löschdiskussion gegeben hatte. Grund der beantragten (aber nicht durchgeführten) Löschung: Relevanz.
Das Überwachungsprogramm im Informatikraum scheint mir übrigens einige Schwachstellen zu haben. Einige der überwachten Schülercomputer „verschwanden“ während des Vormittags vom Lehrer-Bildschirm, und knapp die Hälfte wurde gar nicht erst angezeigt. Dieses Problem bekam der Kollege auch nicht gelöst.
[...] nicht meinen normalen Unterricht? War diese Woche wegen des Lernmethodik-Tags sowieso ausgefallen. Die Schüler hatten zwar nicht ihre [...]
[...] März 2010 Zu meinem ersten Beitrag zum Thema [Update: es erschien bereits eine andere Ergänzung] gibt es eine Ergänzung: Es gibt nun „von oben“ eine [...]