Dickes Lob (III) ?
13. April 2010
Am Ende meiner Doppelstunde in einer 9. Klasse bemerkt ein Schüler zu mir:
Das war heute ein richtig interessanter Biounterricht. [Fragender Blick meinerseits] Doch, ein wirklich spannendes Thema.
Ich weiß immer noch nicht, wie ernst das gemeint war. Das Thema (Vererbung von Blutgruppen) war in der Tat etwas, wonach schon im Vorfeld sehr oft gefragt worden war. Andererseits muß ich zugeben, daß ich das didaktisch relativ mies aufgezogen hatte und keineswegs wirklich spannend gestaltet hatte. Gerade in der 9. Klasse habe ich sehr oft das Gefühl, lediglich durch das Thema punkten zu können; Menschenkunde trifft in dieser Klasse auf ein brennendes Interesse, und so lauschen die Schüler nicht selten gebannt meinem Frontalunterricht.
Manchmal denke ich mir, daß einige Klassen (vor allem meine 8. Klassen) auf Kosten anderer Klassen leben. Um die unruhige Bande überhaupt einigermaßen für den Unterricht zu gewinnen, reiße ich mir im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten (meist erfolglos und danach dementsprechend frustriert) ein Bein aus, so daß ich kaum noch Zeit für die unkomplizierten Klassen habe. Diese bekommen dann einen schlecht aufbereiteten Unterricht, und sind dann dafür noch dankbar. Oder verar… sie mich?
Nö. Die verar… sie nicht. Als Schüler fand ich thematisch interessanten Frontalunterricht auch besser als pädagogisch wertvollen, gruppendynamischen Unterricht mit ödem Inhalt. Und so geht es mir als (glücklicherweise auch im hohen Alter über 30 immer noch manchmal Lernendem) bis heute.
Nö. Das Leben an der Schule lebt vom Fokussieren. Mal ist die eine Klasse im Fokus, mal die andere. Alle Klassen gleichzeitig im Fokus haben zu wollen (Perfektionismus) führt im besten Fall zu Magengeschwüren.
60% sind Atmosphäre, 40% sind der Rest. Ohne die ersten 60% taugen die restlichen 40% gar nicht. SuS sind Experten für Atmosphäre – das melden sie zurück, die Rückmeldung über den Stoff ist dafür oft zu heikel (für SuS).
Gruß,
Maik
Ebenso. Meist konzentriert man sich auf eine Klasse. Das sollte im Lauf des Schuljahres je nach allgemeiner Laune wechseln.
Und Schüler haben eine andere Vorstellung von guten Stunden. Gute Stimmung und dann vor allem interessanter Stoff. Jedenfalls in Unter- und Oberstufe.
Danke für die Antworten mit den Einschätzungen. In den Monaten meiner Schultätigkeit habe ich allerdings kaum den Eindruck, daß es da mit den Klassen wechselnde Aufmerksamkeit gibt. Der Fokus liegt meist auf den Problemklassen; insbesondere die hier beschriebene Klasse empfinde ich generell als etwas von mir vernachlässigt. Eben weil sie bisher relativ “pflegeleicht” ist.
Gute Stimmung. Darüber muß ich ‘mal nachdenken. Da fällt mir spontan widersprüchliches zu ein.