Ferienende …
25. August 2010
Nun neigt sich mit den Ferien auch das Schuljahr dem Ende entgegen. Seit längerer Zeit habe ich hier nichts mehr geschrieben, und dafür bitte ich die Leser um Entschuldigung. In den Kommentaren zum letzten Beitrag hatte es ja schon Nachfragen gegeben.
Die lange Pause hatte ihren Grund. Anfangs waren es gesundheitliche Umstände, die mich an den Wochenenden vom Schreiben abhielten. (Die meisten Beiträge, die während der Woche auf der Rückfahrt von der Schule im Zug geschrieben wurden, habe ich dann am Wochenende bei WordPress eingegeben und sie im Laufe der Woche veröffentlichen lassen. Ein paar Wochen jedoch brauchte ich diese Wochenenden, um mich im Bett zu erholen.) Als es mir dann wieder besser ging, war mir die Zeit trotzdem zu knapp. Abgesehen davon, daß einiges an Arbeit nachzuholen war, zeigte sich immer deutlicher, daß die täglich zur Arbeit zu pendelnde Strecke einfach zu groß ist. Da im Zug kein richtiges Arbeiten möglich ist, saß ich zuhause bis tief in die Nacht an meinen Schularbeiten und nutzte die langen Zugfahrten für ein Nickerchen. So blieben viele berichtenswerte Erlebnisse leider ungeschrieben.
Aber die Zeitnot war nicht der einzige Grund für ausbleibende Beiträge.
Eine mich auch persönlich kennende Leserin dieses Blogs merkte ‘mal an, daß ich sehr enthusiastisch angefangen habe, meine Texte zuletzt aber zunehmende Frustation durchschimmern ließen. Das war mir zwar bis dahin nicht aufgefallen, aber es war gar nicht so verkehrt. Ich muß zugeben, daß ich in dieser Zeit auch einfach keine Beiträge mehr schreiben mochte. Die Arbeit mit den Schülern war zunehmend durch einige ihrer Verhaltensweisen getrübt. Das waren vor allem Probleme mit der Disziplin im Unterricht: Im Laufe des zweiten Halbjahres machte sich meine fehlende Ausbildung als Lehrer doch zunehmend im Klassenverhalten bemerkbar. Aber auch einige persönliche Verhaltensweisen mancher Schüler fand ich bei aller ihnen entgegengebrachten Sympathie einfach mies. Es war eine Zeit, in der ich angesichts knapper Zeit mich in meiner wenigen freien Zeit nicht auch noch wieder damit beschäftigen wollte, was mich im Beruf geärgert hatte. Einige Blogger nutzen das Schreiben darüber auch als Ventil; ich halte den Ärger lieber aus meiner Freizeit heraus.
Diese Phase hat sich dann gegen Ende des Schuljahres glücklicherweise wieder verbessert. Es entstanden dann auch einige Beiträge, die ich gerne noch veröffentlicht hätte; wozu dann aber wieder die Zeit nicht reichte.
Noch ein weiteres Problem wurde mir deutlich: Die Wiedererkennbarkeit. Vor einigen Monaten gab es ein Scharmützel zwischen zwei juristischen Blogs. Das eine wurde von einem bekannten Rechtsanwalt betrieben, das andere von einem unerkannt bleiben wollenden Richter, der unter Pseudonym bloggte und dabei manch interessanten Einblick vermittelte. Der Richter konnte den Anwalt nicht leiden, und er kritisierte ihn oft in seinen Beiträgen; nicht immer auf eine faire Art und Weise. Der Rechtsanwalt ließ zunächst keine öffentliche Reaktion darauf erkennen; aber als es der Richter zu doll trieb, führte der Anwalt einen kurzen aber tödlichen Stich: Durch einen geschickten Schachzug fand er die wahre Identität des Richters heraus und veröffentlichte sie in seinem Blog. Das Blog des Richters ging innerhalb von Stunden offline und blieb dies für immer. All seine Fallschilderungen und Gedanken zur Entscheidungsfindung waren auf einmal ihm und seinen Verhandlungen zuzuordnen; und so etwas konnte und durfte nicht stehen bleiben.
Als Lehrer sehe ich mich in einem ähnlichen Dilemma. Es gibt da unter den bloggenden Kollegen ja auch zwei Richtungen. Herr Rau beispielsweise bloggt unter seiner wahren Identität, wofür ich ihm meine Hochachtung entgegenbringe. Seine Beiträge haben dafür dann auch eine bestimmte Charakteristik. Ganz anders dagegen Frau Freitag. Worüber und wie sie schreibt wären undenkbar, wenn Schule und Lehrerin identifizierbar wären. Ich lese beide Blogs gerne, und beide Stile und beide Vorgehensweisen (identifizierbar und anonym/pseudonym) haben ihre Berechtigung.
Ich wollte ja aus Sicht eines Biologen, also eines eigentlichen Nichtlehrers, über Schule, Schüler und Lehrer berichten. In dieser bestimmten Form halte ich es gegenüber Kollegen, Schülern und Eltern nicht wirklich für angebracht, wenn sie wissen, daß ich so etwas schreibe. Es wäre für mich also gar nicht einmal solch ein Problem, wenn unbekannte ferne Leser wüßten, wie ich heiße, wo ich wohne und arbeite; ein Problem wäre es für mich dagegen, wenn mein direktes Arbeitsumfeld davon wüßte. Und da gab es dann doch so einige Beiträge, bei denen ich mir gedacht habe, daß sich da so mancher wiedererkennen könnte. Während der gesamten Zeit, in der ich dieses Blog betrieben habe, gab es immer wieder Erlebnisse, über die ich nur zu gerne gebloggt hätte, was ich dann aber wegen des hohen Wiedererkennungswertes nicht gemacht habe. Es ist nun auch einer der Hauptgründe dafür, daß ich dieses Projekt nicht fortführe. So, wie ich berichten möchte, kann ich es nicht ungezwungen.
Der letzte Grund für die Einstellung dieses Blogs hat eigentlich von Anfang an festgestanden: ich hatte vor, das eine Schuljahr, in dem ich vertretungsweise als Lehrer eingestellt war, über diese Erfahrung zu berichten. Mein Blog war von vornherein nur für dieses eine Jahr geplant. Bereits die letzten Monate habe ich bemerkt, daß sich meine Sichtweise etwas geändert hat. Ich bin zunehmend Teil des Systems Schule geworden. Und so wie Herr Heisenberg feststellte, daß man einen Zustand nicht messen kann, ohne ihn zu verändern, so behaupte ich nun, daß man nicht etwas beobachten kann, ohne Teil davon zu werden. Der Biologe wurde mehr und mehr zum Lehrer. Viele Erkenntnisse über das Lehrerdasein gewinnt man erst, wenn man darinsteckt und selber einer ist/wird. Der ursprüngliche Titel dieses Blogs hätte im Laufe der nächsten Zeitnicht mehr dem entsprochen, worüber berichtet wird.
So schließe ich nun diesen Blog. Ich hatte mir gewünscht, bis zum Beginn der Sommerferien noch regelmäßig Beiträge zu schreiben; der oben beschriebene Zeitmangel hat leider zu einem unvermittelten Abbruch geführt, was ich nun sehr bedaure.
Meinen (wenigen) Lesern vielen Dank für einige Diskussionsbeiträge!
Wie geht es nun mit mir weiter? Der Herr Biolehrer wird bald ein „richtiger“ solcher. Ich habe jetzt eine Festanstellung an der Schule erhalten und beginne mit dem neuen Schuljahr eine berufsbegleitende Zusatzausbildung. Das ist nötig und wird hoffentlich gut.
Dann wünsche ich eine schöne Zeit als richtiger Biolehrer. Aufschlussreich war es allemal, von den Erfahrungen eines Quereinsteigers zu lesen.
(Das mit der Frustration kenne ich auch.)
Schade. Hat Spaß gemacht, hier mitzulesen. Vielen Dank dafür!
Wirklich schade
Ich glube gar nicht, dass Sie so wenige Leser hatten